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Berlin - Tausende von Ärzten in Deutschland haben am Mittwoch ihre Praxen geschlossen, um gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung zu protestieren. Dem Aufruf des Ärzteverbandes Hartmannbund folgend beteiligten sich zunächst niedergelassene Mediziner in Westfalen-Lippe und Brandenburg an der Aktion. Zusammen mit 38 Berufsverbänden des Gesundheitswesens wollte die Bundesärztekammer auch Proteste in Rostock, Bremen, Stuttgart und Potsdam organisieren.

Hartmannbund-Sprecher Peter Orthen-Rahner sagte auf Anfrage in Bonn, aus der Sicht seines Verbandes sei der Protest hervorragend angelaufen. Die vom Hartmannbund angepeilte Zahl von 5.000 oder mehr geschlossenen Arztpraxen allein in Westfalen-Lippe werde "mit Sicherheit" erreicht. In Brandenburg sollten die Protestaktionen erst um 10.00 Uhr beginnen, da wegen der geringen Arztdichte in dem Bundesland zunächst die Versorgung der Patienten sichergestellt werden sollte. Gegen verordnete Nullrunde nei Honoraren

Der Protest der Ärzte richtet sich vor allem gegen die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt verordnete Nullrunde bei den Ärztehonoraren sowie gegen weitere, konkret noch nicht ausformulierte Sparmaßnahmen der Bundesregierung. Hartmannbund und andere Medizinerorganisationen befürchten als Folge dieser Sparpolitik eine Unterversorgung der Patienten. Maßgebliche Gesundheitspolitiker werfen den Ärzten dagegen vor, sich - ähnlich wie Pharmaindustrie und Apotheker - aus finanziellem Eigeninteresse gegen eine Gesundschrumpfung des Systems zu wehren.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) lehnten unterdessen Praxisschließungen grundsätzlich ab. Die Versorgung der Patienten müsse durchgehend sichergestellt sein, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Bundes-KV in Berlin. Allerdings befürworte die KV eine Art Dienst nach Vorschrift. Dazu gehöre, den Patienten die Folgen der Sparpolitik deutlich zu machen, beispielsweise indem mit gezielten Hinweisen nicht mehr die gewohnten Originalmedikamente, sondern preiswerte Generika, also wirkungsgleiche Nachahmer-Arzneimittel, verschrieben würden.(APA/AP)