Trier - Ein Archäologe hat eine in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubte Marmorstatue der römischen Jagd-Göttin Diana am Rheinischen Landesmuseum in Trier wiederentdeckt. Die etwa 2.000 Jahre alte Skulptur sei als Beutekunst zu verstehen und müsse deshalb an Italien zurückgegeben werden, sagte Museumsdirektorin Margarethe König am Dienstag. Das Museum habe die etwa einen Meter hohe und gut erhaltene Diana-Statue 1964 von einem Trierer Arzt gekauft. Ihr Wert belaufe sich auf mehrere 100.000 Euro.

Der italienische Archäologe Carlo Casparri von der Universität Neapel hatte den Verbleib der Statue ausfindig gemacht. Nach Recherchen Casparris ging die "Diana" bei Kämpfen deutscher und amerikanischer Soldaten in Süditalien 1944 verloren. Ursprünglich zierte die Jagdgöttin das römische Theater Minturno bei Neapel. "Wir waren lange in dem Glauben, dass die Statue aus Trier-Pallien stammte", berichtete König. In Wirklichkeit war sie nicht in der ehemaligen Römer-Metropole, sondern 1933 in Süditalien ausgegraben worden. Dort war sie bis 1944 in unmittelbarer Nähe der Grabungsstätte aufgestellt und galt nach den Kämpfen als Kriegsverlust.

Ein Lastwagen einer italienischen Kunstspedition soll das antike Stück, das in Trier in der Dauerausstellung des Archäologie-Museums integriert gewesen ist, am Mittwoch nach Neapel transportieren. "Mit der Rückgabe heilen wir eine Kriegswunde und beteiligen uns an den europaweiten Bemühungen zur Rückführung verschleppter Kunstschätze", sagte König. Dieser Fall weise aber auch auf die Schwächen angeblich zuverlässiger Fundortangaben beim Ankauf archäologischer Stücke hin.

(APA)