Frankfurt/Main - Einer der vier vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main angeklagten Terrorismus-Verdächtigen hat nach seiner Festnahme der Polizei Spitzeldienste angeboten. Ein Beamter des deutschen Bundeskriminalamts berichtete am Dienstag als Zeuge über Gespräche, die er drei Tage nach der zu Weihnachten 2000 in Frankfurt am Main erfolgten Festnahme der Gruppe mit dem Beschuldigten Salim Boukhari führte. Die vier Algerier sind wegen Verabredung zum Mord und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags angeklagt.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, Ende 2000 ein Attentat auf den Straßburger Weihnachtsmarkt geplant zu haben. Der Anklagepunkt Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde vor einer Woche aus Gründen der Prozessökonomie fallen gelassen.

Organisation, die nicht mit El Kaida in Verbindung stehe

Der BKA-Beamte sagte, Boukhari habe über Verbindungen der Gruppe zu einer algerischen Organisation in London berichtet, die Anschläge plane, aber nichts mit El Kaida, dem von Osama bin Laden geführten internationalen Terrornetzwerk, zu tun habe. Boukhari habe angeboten, man solle ihn freilassen, damit er etwas über geplante Anschläge in Erfahrung bringen und die Polizei informieren könne. Die Behörden gingen nicht darauf ein. Boukhari gab der Zeugenaussage zufolge auch an, die in Frankfurt sichergestellten Waffen und Chemikalien seien für den Kampf in Tschetschenien bestimmt gewesen.

Briefe: "Gegen die Nachkommen der Schweine"

Keinen Aufschluss ergab die Befragung der Angeklagten zu zwei vor Gericht verlesenen Briefen, die vom Oktober 2000 und vom 26. Dezember 2000 datiert sind. Eines der Schreiben ist mit "Ismail" unterzeichnet. Darin ist unter anderem die Rede von "göttlichen Terroristen gegen die fehlgeleitete Nation, die Juden, Christen und Nachkommen der Schweine". Die Muslime seien dem "Aggressor ausgesetzt". Der Schreiber appelliert: "Füllt eure Herzen mit Hass auf die Feinde Gottes". Ferner heißt es in dem Brief, das Verweilen in Europa sei Sünde.

Die Schreiben waren in einer Frankfurter Wohnung sichergestellt worden, die einer der ursprünglich fünf angeklagten Algerier bewohnt hatte. Dieser, ein 34-Jähriger, wurde im Sommer vergangenen Jahres auf freien Fuß gesetzt, das Verfahren gegen ihn wurde später abgetrennt. Mit seiner Verurteilung ist nicht mehr zu rechnen, weil er lediglich wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt ist und dieser Vorwurf in der vergangenen Woche fallen gelassen wurde. Der Prozess gegen die vier anderen wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. (APA/AP)