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Foto: APA/dpa/Oliver Berg

"Ich-AG" ist das deutsche Unwort des Jahres 2002. Dies gab am Dienstag der Germanistik-Professor Horst Dieter Schlosser in der Universität Frankfurt am Main bekannt. Die von ihm geleitete Jury begründete ihre Wahl damit, dass diese Wortschöpfung schon in sich lächerlich sei, da ein Individuum keine Aktiengesellschaft bilden könne. Auf Platz zwei kam "Ausreisezentrum" und auf Platz drei "Zellhaufen".

806 Vorschläge

Insgesamt waren bis 7. Jänner 806 Vorschläge für das Unwort des Jahres eingegangen. Am häufigsten war darunter die von US-Präsident George Bush beschriebene "Achse des Bösen", am zweithäufigsten der Ausspruch des SPD-Generalsekretärs Olaf Scholz, die SPD-Familienpolitik werde die "Lufthoheit über den Kinderbetten" erringen.

Missverhältnis

Der Sprecher der Jury und Frankfurter Sprachwissenschafter Schlosser wies darauf hin, dass es nicht auf die Häufigkeit ankommt, sondern vielmehr auf ein besonders krasses Missverhältnis von Wort und bezeichneter Sache. "Deshalb haben auch Vorschläge wie Ausreisezentrum für ein Asylbewerberlager, 'Ich-AG' aus dem Hartz-Papier, 'überzählige Embryonen' oder 'Zellhaufen' als Argumente für ethisch angeblich neutrale gentechnische Manipulationen Chancen, Unwort des Jahres zu werden", hatte er schon vor der Bekanntgabe erklärt.

"Teuro" war im vergangenen Dezember zum österreichischen Wort des Jahres 2002 gewählt worden. Zum "Unwort 2002" wurde der "Rücktritt vom Rücktritt" gekürt. Erstmals wurde auch ein "Spruch des Jahres" ermittelt: "Bin schon weg - bin schon wieder da!". (APA/AP)