London/Doha - Bei einem Irak-Krieg und einer fortgesetzten Krise in Venezuela droht einer Studie zufolge ein weltweiter Ölmangel. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) könnte keinen Ausgleich schaffen, wenn die Öl-Lieferungen aus Irak und Venezuela gleichzeitig ausfielen, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des Londoner Zentrums für weltweite Energie-Studien (CGES). Dem ehemaligen saudi-arabischen Ölminister Ahmed Saki Jamani zufolge würde der Ölpreis im diesem Fall auf bis zu 100 Dollar ansteigen. Unterdessen schloss die OPEC eine weitere Erhöhung der Fördermengen nach ihrer nächsten Sitzung im März nicht aus.

"Produktionskapazitäten nicht ausreichend"

"Die OPEC allein verfügt nicht über ausreichende Produktionskapazitäten, um die Erdöl-Exporte aus Irak und Venezuela zu kompensieren", heißt es in dem CGES-Bericht. Ein längerer Irak-Krieg werde zusätzlich die Lieferungen aus anderen Mitgliedsländern in der Region beeinträchtigen. In diesem Fall könnte sich der tägliche Ausfall auf fünf Mio. Barrel summieren, schätzen die Experten. Damit müssten große Energieverbraucher, vor allem die USA, sehr bald auf ihre strategischen Ölreserven zurückgreifen.

Preisexplosion

OPEC-Mitbegründer Jamani sagte in Doha, Saddam Hussein könnte bei einem von den USA angeführten Angriff auf sein Land die Ölquellen zerstören und damit eine weltweite Katastrophe auslösen. Ein Krieg würde den Ölpreis explodieren lassen: "Ein Bombardement der irakischen Ölreserven und der Ölproduktion würde einen erheblichen Anstieg des Preises auf 80 bis 100 Dollar zur Folge haben." Bereits am Dienstagmittag stieg der Preis für ein Barrel der Nordsee-Referenzsorte Brent am Londoner Markt auf 31,14 Dollar. Bei Handelsschluss am Montag waren es noch 30,65 Dollar.

OPEC: Alle Optionen offen

Um den Druck vom Ölpreis zu nehmen, wird die OPEC möglicherweise ihre Förderquoten erhöhen. Auf der nächsten Sitzung des Kartells am 11. März in Wien seien "alle Optionen offen", sagte der Ölminister von Katar und amtierende OPEC-Präsident, Abdallah ben Hamed el Attija, vor Journalisten in Doha. Das Problem sei allerdings, dass die Märkte derzeit nicht auf solche Maßnahmen reagierten, erläuterte der OPEC-Präsident: Angesichts der andauernden Venezuela-Krise und des drohenden Irak-Kriegs stehe der Markt "politisch und psychologisch unter Druck".

Laut CGES ist die derzeitige Politik der OPEC, den Ölpreis durch Anpassung ihrer Fördermengen zwischen 22 und 28 Dollar zu halten, für eine mangelhafte Vorratshaltung bei den großen Energiekonsumenten verantwortlich. So hätten sich die USA bereits nach den Lieferausfällen aus Venezuela dringend um die Aufstockung ihrer strategischen Ölreserven kümmern müssen. Die Irak-Krise habe Washington offenbar zu sehr in Anspruch genommen, um die notwendigen Entscheidungen zu treffen. (APA)