Wien - Die börsenotierte Erste Bank ist nach den Groß-Akquisitionen seit 2000 zum viertgrößten EU-Bankkonzern in Osteuropa aufgestiegen. Wie aus einer Aufstellung der Investmentbank Goldman Sachs hervorgeht, verfügt die Erste Bank über 17,3 Mrd. Euro an Bank-Vermögenswerten in der Region. Gemessen an der relativen Ertragskraft des Osteuropa-Geschäfts lässt die Erste Bank die EU-Konkurrenz weit hinter sich: Rund 37 Prozent des Jahresgewinns 2001 wurden von den Ost-Töchtern erwirtschaftet.

Am stärksten unter den EU-Banken ist die belgische KBC Bank mit 29,7 Mrd. Euro in Osteuropa engagiert, vor der italienischen Unicredito mit 25,9 Mrd. Euro. An dritter Stelle rangiert das in der Bank Austria Creditanstalt zusammengefasste Osteuropa-Geschäft der bayerischen HypoVereinsbank mit 18,7 Mrd. Euro. Die Raiffeisen Zentralbank kommt auf 5,8 Mrd. an Bank-Vermögenswerten in der Region.

Hohes Wachstum

Generell können osteuropäische Banken laut Goldman Sachs ein Wachstum über dem des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts erzielen. Ausländische Finanzinstitute als Eigentümer sollten aber durch das Einbringen des eigenen Managementerfahrung zusätzlich profitieren können.

Die im Jahr 2000 von der Erste Bank übernommenen Ceska Sporitelna zeigt laut Goldman Sachs, was möglich ist: Gegenüber der Vorjahresperiode konnte die Tschechien-Tochter in den ersten neun Monaten 2002 den Vorsteuergewinn auf mehr als das Dreifache steigern. Aber auch die anderen Akquisitionen der Erste Bank bezeichnet Goldman Sachs aus heutiger Sicht als "erfolgreich".

"Eine Übernahme zu weit"

Das Investmenthaus sieht aber die Gefahr, dass die Erste Bank "eine Übernahme zu weit gehen" könnte: Nun seien in der Region wenige offensichtliche Übernahmeziele bei Kreditinstituten auszumachen, für die es viele Interessenten gäbe. Angesichts steigender Preise für Bankwerte in Osteuropa sei es bereits eine "Herausforderung", schlechte Übernahmen zu vermeiden: Während die Erste Bank 2000 in Tschechien für die Ceska Sporitelna bloß den 1,5-fachen Buchwert zahlte, musste die französische Societe Generale bloß ein Jahr später für den Mitbewerber Komercni Banka bereits das 3,2-fache des Buchwerts berappen. (APA)