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Sinkende Tendenz für Israels Arbeiterpartei.

Foto: APA/AFPI/THOMAS COEX

Bei den Parlamentswahlen in Israel am nächsten Dienstag hätte die israelische Arbeiterpartei laut Umfragen bessere Chancen, wenn ihr Spitzenkandidat Shimon Peres und nicht Amram Mitzna hieße. Einige Parteimitglieder würden sie am liebsten noch austauschen.


"Der Peres-Effekt schlägt wieder zu", schrieb gestern ein Kommentator in Ha'aretz - eine Woche vor den Wahlen war nämlich wieder einmal die Idee aufgeblitzt, den eben erst erkorenen Spitzenkandidaten der Arbeiterpartei, Amram Mitzna, noch durch Shimon Peres zu ersetzen, ein deutliches Signal für die Verzweiflung der Sozialdemokraten. Eine Umfrage hatte nämlich gezeigt, dass die Arbeiterpartei mit dem bald 80-jährigen Peres 29 Mandate einfahren würde. Mit Mitzna hingegen liegt sie bei 19, Tendenz sinkend, während der konservative Likud von Premier Ariel Sharon sich bei 32 Mandaten stabilisiert hat.

Schon vor den Wahlen 2001 war Peres in letzter Minute noch als mögliche Wunderwaffe lanciert worden, damals war Ehud Barak aussichtslos abgeschlagen und erlitt dann gegen Sharon auch das erwartete Debakel. Als seriös wird der Vorschlag auch diesmal nicht gewertet, zumal Peres in seiner langen Karriere zwar schon oft in Umfragen vorne gelegen ist, aber noch nie eine Wahl gewonnen hat, zugleich scheint sich die Arbeiterpartei durch die immer offeneren Zweifel am eigenen Chef wieder selbst zu zerrütten.

Als turbulentester Kritiker an der Taube Mitzna tat sich Exvizeminister Weizman Shiri hervor, der zum rechten Flügel der Partei zählt und zudem als Nr. 23 auf der Liste befürchten muss, dass sich für ihn der Parlamentssitz nicht ausgeht: "Unsere Botschaften kommen nicht durch, das Publikum will einen Kandidaten, den es besser kennt", wetterte Shiri, "ich will nicht, dass wir nächste Woche aufwachen und als geprügelte Partei in die Opposition gehen."

Doch Mitzna, immer noch Bürgermeister der Hafenstadt Haifa, durchpflügt weiterhin wahlkämpfend das Land: "Ich bin gekommen, um zu siegen, und ich bleibe der Vorsitzende der Arbeiterpartei, ohne Einschränkungen und ohne Bedingungen, denn es gibt keine andere Alternative."

Groll im eigenen Lager hatte Mitzna zuletzt durch einen Schachzug ausgelöst, der an jenen seines österreichischen Kollegen Alfred Gusenbauer erinnert - er werde als Nummer zwei auf jeden Fall in die Opposition gehen und als Partner in einer großen Koalition unter Sharon nicht zur Verfügung stehen. Doch der Profilierungsversuch ging daneben, die meisten Israelis wollen wieder eine "Einheitsregierung". (DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2003)