Bild nicht mehr verfügbar.

Aus China bis in die Donau: Wollhandkrabbe

Foto: APA

Orth a. d. Donau - Sie hat dichtes Haar, führt spitze Scheren mit sich - und fremd im Lande ist sie auch. Das könnte zu Problemen führen, weiß Christian Fraissl, Naturmanager im Nationalpark Donauauen: "Fluchende Angler", bröckelnde Ufer wegen der Einwanderin aus dem Fernen Osten, die in Erdwällen entlang von Flüssen ihre Wohnröhren gräbt.

Die Chinesische Wollhandkrabbe gehöre zu den "weltweit 100 am aggressivsten sich verbreitenden Arten", betont Fraissl. Im vergangenen Jahrhundert habe sie es - auf Transportschiffen als blinder Passagier - von Asien bis nach Amerika und Europa geschafft. An Nord- und Ostsee würden die zahlreichen Krabbennachkommen seither die Kühlwassereinlässe von Kraftwerken verstopfen.

Vergangenen November dann tauchte ein Exemplar in einem Daubelnetz bei Fischamend auf. Eine "Sensation", wie der Experte erläutert. Doch als "Alien" in der Donauauenfauna sei die wollige, zehn mal 20 Zentimeter große Krabbe nicht allein: "Vom Marderhund über den Waschbären bis hin zur Rotwangenschmuckschildkröte gibt es bei uns eine ganze Reihe eingewanderter Tiere."

Für manche Eingesessenen bringen diese Migrationsbewegungen Nachteile mit sich: Die heimische Sumpfschildkröte etwa wird von den aggressiveren Einwanderern aus den USA von den sonnigen Plätzen vertrieben. Das macht die Sumpfschildkröten für Krankheiten anfällig. Mit dem Resultat, dass es bald mehr Zug'reiste als einheimische Panzerträger geben könnte.

Überhaupt stellten "invasive Arten eine beachtliche Bedrohung für die biologische Vielfalt dar", schreibt Umweltminister Wilhelm Molterer (ÖVP) im Vorwort der einschlägigen Broschüre "Die Aliens kommen" (das Wort aliens wird in der Folge fälschlicherweise mit "außerirdische Wesen" übersetzt). Das Problem, so führt er aus, sei ein "weltweites", weshalb Österreich die Konvention für biologische Vielfalt mit unterschrieben habe.

Um Abhilfe zu schaffen, müsse "die Einbringung gebietsfremder Arten kontrolliert oder beseitigt" werden, heißt es da: eine Aufforderung vor allem an die Jägerzunft, die etwa den Fasan nach Österreich gebracht haben.(Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2003)