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Foto: APA/Harald Schneider

Am 17. Februar hätte ein Schweizer Schiedsgericht in Wien tagen sollen, um zu klären, ob Christoph Dichand seinem Vater Hans als Chefredakteur der "Kronen Zeitung" nachfolgen könne, wie es der Senior verlangt. Und wogegen sich die "WAZ", die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", ausspricht. "Nicht weil man ihm etwas Böses will", sagt Anwalt Daniel Charim, der den deutschen Medienkonzern, zu 50 Prozent Miteigentümer der "Krone", vertritt. "Sondern weil man will, dass die größte Zeitung des Landes auch in Zukunft gut geführt wird."

Schon vor eineinhalb Jahren hatte Hans Dichand seinen Sohn zum Chefredakteur bestellen wollen. Damals sei man übereingekommen, dass sich dieser erst beweisen müsse, bevor darüber verhandelt werde. Und die "WAZ" vereinbarte mit dem nun 82-jährigen Senior, dass er die "Krone" fünf Jahre lang weiterleite - als Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer.

Doch Hans Dichand entschied sich plötzlich anders: Er zog die Klage zurück. Vielleicht weil er ahnte, den Prozess nicht gewinnen zu können. Und gab bekannt, seinen Sohn mit 1. Februar 2003 zum Chefredakteur zu bestellen. "Dieses Ruckartige ist das Beunruhigende", sagt Charim. Die "WAZ" hätte Christoph Dichand bisher nicht von seinen Qualitäten überzeugen können: Er habe keine Ausbildung, schreibe weder Kommentare noch Artikel.

"Christoph ungeeignet"

Auch Friedrich "Bibi" Dragon, 42 Jahre lang geschäftsführender Chefredakteur der "Krone", hielt und hält den Junior nicht geeignet für die Position. Dies hätte er den Dichands in persönlichen Gesprächen wiederholt erklärt. Was der Grund gewesen sein dürfte, warum sich Hans Dichand im Jahr 2001 von ihm trennte - im Streit. Denn Dragons Meinung nach sollte "ein langgedienter Profi aus der Redaktion" diese Aufgabe übertragen bekommen. Rund zehn Personen würden sich anbieten, die fünf stellvertretenden Chefredakteure wie auch die Leiter der Bundesländerredaktionen. Seine Ansicht decke sich, sagt Dragon, mit denen der "WAZ"-Partner.

Dragon als Verbündeter des Gegners aber konnte nicht im Sinne Hans Dichands sein: Im Herbst des Vorjahrs lenkte er in der Auseinandersetzung mit Dragon - der gefeuerte Chefredakteur klagte zehn Prozent vom Reingewinn der "Krone" zwischen 1987 und 1993 ein, die ihm schriftlich zugesichert worden wären - ein. Es kam zu keinem Urteil eines Schweizer Schiedsgerichts, die beiden "Krone"-Macher einigten sich über "Vermittler", den Prozess ruhen zu lassen. Und Dragon erhielt eine hübsche Summe Geldes.

Dennoch nimmt sich Dragon kein Blatt vor den Mund. Über Dichands Reaktion z. B. auf die Arte-Dokumentation über die "Krone" sagt er: "Ich war entsetzt. Nur weil das Ergebnis nicht so ausgefallen ist, wie er es sich vorgestellt hat, kann man doch nicht einfach Arte aus dem TV-Programm kippen. Das kann man doch nicht machen!"

Zudem verübelt er Dichand, er würde immer nur von "seiner Zeitung" sprechen: "Dabei ist sie auch mein Baby! Die "Krone" ist immer noch unsere Zeitung." Das Schlimmste sei, wie Dichand mit der altgedienten Mannschaft umgehe, der der Erfolg der "Krone" zu verdanken sei, also mit Georg Markus wie auch mit Werner Urbanek, der in die Frühpension "gedrängt" werden solle. (Die Änderungskündigungen zählt auch Charim zu dem beunruhigenden "Ruckartigen".)

"Dichand soll sich selbst wegrationalisieren", sagt Dragon. "Das bringt die größte Einsparung." Denn der Boss erhält einen Vorweggewinn in der Größenordnung zwischen acht und zehn Millionen Euro jährlich. Laut Dragon hätte sich der Rekordgewinn, verbucht 2000, im Jahr 2001 halbiert. Und im Vorjahr sei er noch einmal "dramatisch gesunken". Dragon glaubt, dass er nicht viel höher liege als eben der Vorweggewinn, den Dichand erhält, auch wenn die "Krone" Verluste macht.

Dichand unter Druck

Der Vorweggewinn ist auch für Charim einer der Knackpunkte im Konflikt zwischen "WAZ" und Dichand. Denn der Senior erhält diesen für seine drei Funktionen. Wenn er aber nicht mehr in der Lage sei, seinen fünf Jahre laufenden Vertrag zu erfüllen, eben weil er die Chefredaktion dem Junior übertragen will, stehe ihm auch nicht mehr der Vorweggewinn zu. Und wenn er nicht Chefredakteur sein könne, sei er wohl auch nicht in der Lage, Herausgeber zu sein.

Sollten Dragons Hochrechnungen stimmen, lukriert die "WAZ" derzeit nicht viel Geld. Denn die Gewinne gehen an die Mediaprint und werden aufgeteilt: 23 Prozent erhält Raiffeisen, 77 Prozent werden an Dichand und "WAZ" ausgeschüttet. Weder Hans noch Christoph Dichand waren für den STANDARD zu erreichen. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2003)