Das Verhältnis zwischen Österreichern und Afrikanern ist ein kompliziertes. Ist doch in manchen Köpfen das Bild des Drogendealers dank Zeitungsberichten und manch tatsächlicher krimineller Fehltritte fest verankert. Wer einmal dort war, in Afrika, ist wiederum begeistert von der Schönheit der Landschaft. Dann ist es auch angesichts der Größe des Kontinents unmöglich, von Afrika und "den" Afrikanern an sich zu sprechen.

Das Wissen um die Kultur der jeweils anderen ist dagegen bescheiden. Vorurteile ha-ben Afrikaner den Österreichern gegenüber ebenso wie umgekehrt. Genau hier setzt die Analyse des Buchs "Afrikaner in Wien" an.

Sie basiert auf einer Umfrage unter Wienern und afrikanischen Einwanderern. Herausgeber Erwin Ebermann, Lehrender für Afrikanistik und ständiger Afrikareisender, beschreibt deren Lebensumstände zwischen "Mystifizierung und Verteufelung". Umgekehrt erscheinen die Österreicher den Afrikanern menschlich kalt, kaum fürsorglich und mit wenig Lebenslust ausgestattet. Vorurteile blühen auf beiden Seiten.

In den Buchbeiträgen werden Erklärungen gesucht, warum Vermittler in diesem gespalteten Verhältnis scheitern. Interessant ist, wie anhand von Anekdoten und Details Unterschiede in den Kulturen verdeutlicht werden. Blicke etwa werden ganz unterschiedlich interpretiert. Rollt ein Afrikaner mit den Augen, unterstellt man ihm Unehrlichkeit, wird im Buch diagnostiziert. Jemand aus Afrika signalisiert damit aber dem Gegenüber auch Respekt.

Möglichkeiten des Handelns für beide Seiten werden auch aufgezeigt – ein Buch als Anleitung zum vorbehaltloseren Umgang miteinander. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2003)