Prag - Drei Kandidaten stellen sich in Tschechien der wiederholten Wahl des Staatspräsidenten durch das Parlament: Die ehemaligen Regierungschefs Vaclac Klaus und Milos Zeman sowie die Senatorin Jaroslava Moserova - die erste Frau, die bei einer Präsidentenwahl in Tschechien antritt.

Vaclav Klaus (61) - Kandidat der oppositionellen konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS), ehemaliger Ministerpräsident (1992 bis 1997) und ehemaliger Chef des Abgeordnetenhauses (1998 bis 2002). Im Dezember 2002 verließ er nach fast zwölf Jahren die ODS-Spitze und wurde zum Ehrenvorsitzenden der Partei gewählt. Der studierte Wirtschaftsingenieur Klaus zählt zu jenen Politikern, die sich stark für die im Jahr 2002 im Abgeordnetenhaus verabschiedete Resolution zu den Benes-Dekreten einsetzten. Die Aufhebung der Dekrete, hinter der er Versuche zur Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges sieht, lehnt Klaus strikt ab. Vor den Unterhauswahlen im Juni 2002 forcierte er in diesen Zusammenhang und angesichts des geplanten EU-Beitritts Tschechiens die "Verteidigung der nationalen Interessen". Klaus war einer der wenigen tschechischen Politiker, die 2000 die EU-14-Sanktionen gegen Wien als "Einmischung in innere Angelegenheiten" Österreichs kritisierte. Zur EU hat Klaus eine reservierte Haltung. Den Beitritt als solchen befürwortet er, allerdings dürfe sich Tschechien "nicht im Brüsseler Kaffee wie ein Würfel Zucker auflösen".

Milos Zeman (58) - Kandidat der regierenden Sozialdemokraten (CSSD), ehemaliger Unterhauschef (1996 bis 1998) und Ministerpräsident (1998 bis 2002). Im Frühjahr 2001 legte er aus eigenem Willen den Parteivorsitz zurück und verließ nach den Juni-Wahlen 2002 auch die Regierungsspitze. Der studierte Ökonom und angeblich gute Schachspieler löste vor einem Jahr mit seinen Aussagen eine diplomatische Krise zwischen Tschechien und Österreich aus. Zunächst erklärte er in einem Rundfunkinterview, "je früher Österreich den Herrn Haider und seine postfaschistische Partei loswird, desto besser". Dann bezeichnete er die Sudetendeutschen als "fünfte Kolonne Adolf Hitlers". Im Jahr 2000 schloss sich seine Regierung den EU-14-Sanktionen gegen Österreich an. Zemans politischer Stern ging 1993 auf, als er an die Parteispitze gewählt wurde. Er übernahm die CSSD, als sie in Umfragen bei sieben Prozent lag, fünf Jahre später gewannen die Sozialdemokraten die Parlamentswahlen mit 32,3 Prozent der Stimmen. Zur Zeit "Prager Frühlings war Zeman Mitglied der Kommunistischen Partei, allerdings wurde er später als "Revisionist" ausgeschlossen und fiel für zwei Jahrzehnte in Ungnade.

Jaroslava Moserova (73) - Kandidatin von unabhängigen Senatoren, die mit Unterstützung der rechtsliberalen Freiheitsunion (US-DEU) und eventuell auch der christdemokratischen Volkspartei (KDU-CSL) rechnen kann. Bis Ende 2002 Mitglied der rechtsliberalen Demokratischen Bürgerallianz (ODA), am 1. Jänner beendete sie wegen ihrer Kandidatur ihre ODA-Mitgliedschaft. Vom Beruf ist sie Ärztin, die gilt als anerkannte Spezialistin im Bereich der plastischen Brandwunden-Chirurgie. Im Jänner 1969 war sie als Ärztin der Klinik der Prager Karls-Universität an der Behandlung des Studenten Jan Palach beteiligt, der sich aus Protest gegen die Warschauer-Pakt-Invasion in die ehemaligen Tschechoslowakei auf dem Prager Wenzelsplatz demonstrativ verbrannt hatte und einige Tage später im Krankenhaus starb. Moserova war auch als Übersetzerin für Englisch tätig, in den Jahren 1991 bis 1993 war sie tschechoslowakische bzw. tschechische Botschafterin in Australien. Seit 1996 ist sie Senatorin. "Als Staatspräsidentin ich dem Land einen guten Ruf im Ausland verschaffen", sagte sie kürzlich zu ihren Motiven für die Präsidentschaftskandidatur. (APA)