Wien - Eine sinkende Inflation im Jahr der Umstellung auf das Eurobargeld konstatierte der Volkswirtschaftsexperte der Statistik Austria, Paul Haschka, am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Die Teuerungsrate sank von 2,7 Prozent im Jahr 2001 auf 1,8 Prozent im vergangenen Jahr. Die Eurobargeldeinführung habe zwar deutliche Spuren in der Preislandschaft Österreichs hinterlassen, der Effekt auf den Verbraucherpreisindex (VPI) sei aber per Saldo null gewesen. "Wenn man dem Euro nicht nur Verteuerungen, sondern auch Verbilligungen zuschreibt, dann heben sich die Effekte auf", sagte Haschka.

Auch im europäischen Vergleich schnitt Österreich im vergangenen Jahr gut ab. Der durchschnittliche Preisanstieg in der EU lag bei 2,1 Prozent, jener in der Eurozone bei 2,2 Prozent und damit deutlich über dem österreichischen Wert. Nur drei EU-Länder schnitten besser ab als Österreich. In Großbritannien und Deutschland lag die Inflationsrate im vergangenen Jahr bei jeweils 1,3 Prozent und in Belgien bei 1,6 Prozent.

Wohnen und Verkehr nur geringfügig teurer

Die Verlangsamung der Inflation im vergangenen Jahr führten die Statistiker vor allem auf die beiden größten der zwölf Hauptgruppen im Warenkorb - Wohnen und Verkehr - zurück. Hier gab es nur Preissteigerungen um 0,9 beziehungsweise 0,7 Prozent. Auch die Hauptgruppen Bekleidung und Schuhe sowie Nachrichtenübermittlung lagen unter dem Durchschnitt.

Die stärksten Teuerungsraten gab es in den Hauptgruppen Alkohol und Tabak (Wein drei Prozent, Zigaretten fünf Prozent), Erziehung und Unterricht (21,9 Prozent), Restaurants und Hotels (drei Prozent) sowie verschiedene Waren und Dienstleistungen (Friseure drei Prozent, Versicherungen vier Prozent).

"Gefühlte Inflation"

Die Diskrepanz zwischen "gefühlter Inflation" und tatsächlicher Preissteigerung begründeten die Statistiker mit der unterschiedlichen Preisentwicklung von Gütern des täglichen und des längerfristigen Bedarfs.

Im Miniwarenkorb für Güter des täglichen Bedarfs, der speziell für die Eurobeobachtungen entwickelt wurde, stiegen die Preise im vergangenen Jahr um zwei Prozent und damit tatsächlich etwas stärker als die allgemeine Inflationsrate. Aber auch eine grobe Umrechnung (der Euro wird oft mit 14 oder gar 15 Schilling umgerechnet) begünstige die Überschätzung der Inflation. Und schließlich seien partielle Preisbeobachtungen nur ein Ausschnitt aus der Indexrealität und dürften daher nicht verallgemeinert werden.

Haschka ging auch auf die Rolle der öffentlichen Hand bei der Preisentwicklung ein und verwies darauf, dass etliche Preissteigerungen der Jahre 2001 und 2002 vor allem auf Gebührenerhöhungen zurückzuführen gewesen seien. So hätten sich Kfz-Steuern, Vignetten, Parkgebühren, Studiengebühren, aber auch Zigaretten (ebenfalls steuerbedingt) als echte Preistreiber entpuppt. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 23.1.2003)