Jerusalem - Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen in Israel am 28. Jänner treten insgesamt 28 Parteien an. Die wichtigsten von ihnen sind:

  • LIKUD:

    Der konservativ-rechtsnationalistische Block unter Führung von Ariel Sharon war 1973 entstanden und übernahm nach dem historischen Sieg bei den Wahlen vom Mai 1977 erstmals die Regierung. Likud ("Sammlung") war der Zusammenschluss der Herut (Freiheitspartei) von Menachem Begin mit mehreren Gruppen der Rechten und des Zentrums. Durch diese Allianz erhielt die bis dahin weitgehend geächtete Herut als Speerspitze der nationalistischen Rechten mit maximalistischen Territorialforderungen einen Legitimierungsschub. Likud ist in der Arbeiterschicht und bei den sephardischen Juden aus dem Nahen Osten oder Nordafrika verankert. Er hält derzeit 21 von 120 Knesset-Mandaten, kann aber bei der kommenden Wahl mit über 30 rechnen. Die Mehrheit innerhalb des Likud lehnt einen unabhängigen palästinensischen Staat strikt ab.

  • ARBEITERPARTEI

    Die Arbeiterpartei (Haavoda) (auch "Arbeitspartei") ist aus dem Zusammenschluss mehrerer sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien hervorgegangen. Die stärkste und einflussreichste war die Mapai ("Partei der Arbeiter des Landes Israel") des ersten Ministerpräsidenten David Ben Gurion (der sie 1965 verließ). Von der Staatsgründung 1948 bis 1977 führte sie ohne Unterbrechung die Regierung. Von 1992 bis 1996 und von 1999 bis 2001 lenkte sie ebenfalls die Regierungsgeschäfte. 1984-88 und 2001-02 war sie an einer Großen Koalition mit der Rechten beteiligt. Ihre Mitgliederschaft rekrutiert sich überwiegend aus einkommenstärkeren Bevölkerungsgruppen europäischer Herkunft. Die politischen Leitlinien sind zionistisch und nichtreligiös. Ihrem 1992 gewählten und 1995 ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und seinem Außenminister Shimon Peres war der Durchbruch in den Nahost-Verhandlungen zu verdanken, der 1993 zum Grundlagenvertrag mit den Palästinensern führte.

  • SHAS

    Die ultrareligiöse Partei stellt bisher die drittstärkste Fraktion in der Knesset. Sie wurde in den achtziger Jahren als Vertretung der orthodoxen sephardischen Juden gegründet. Ihr spirituelles Oberhaupt ist der ehemalige sephardische Großrabbiner von Israel, Ovadia Yosef. Shas hat sich bewusst von einer rein religiösen zu einer Partei der sozial Schwachen gewandelt. Als "Partei der Frommen" heizt sie einen latenten Kulturkampf gegen Reformjuden an. Unter ihrem nominellen Vorsitzenden Eli Yishai, der verschiedene Ministerämter bekleidete, trug sie wesentlich zum Sturz des 1999 direkt gewählten Ministerpräsidenten Ehud Barak von der Arbeiterpartei bei.

  • MERETZ

    Die linksliberale, streng säkulare und pazifistische Partei stellt bisher 10 Abgeordnete in der Knesset und wird von dem ehemaligen Minister Yossi Sarid angeführt. Sie tritt für die Aussöhnung mit den Palästinensern ein. Der ehemalige Politiker der Arbeiterpartei und Ex-Justizminister Yossi Beilin, einer der "Väter" der Verträge von Oslo, schloss sich der Meretz-Partei kurz vor der Wahl an, kandidiert jedoch auf einem aussichtslosen Listenplatz. Angesichts des erwarteten Rechtsrucks muss Meretz mit Verlusten rechnen.

  • NATIONALE UNION - ISRAEL UNSER HAUS

    Das ultrarechte Parteienbündnis (7 Sitze) wurde nach den Wahlen 1999 gegründet. Mitglieder sind die Hardliner im israelisch-palästinensischen Konflikt, die unter anderem die Ausweisung aller Araber fordern. Nach Umfragen kann das Bündnis bis zu 9 Mandaten gewinnen.

  • SHINUI

    Die säkulare Partei (6 Abgeordnete), die nach Umfragen mit einer Verdopplung ihrer Mandate rechnen kann, spricht laizistisch orientierte, gebildete Städter an, die sich durch die Ultraorthodoxie bedroht fühlen. Im Friedensprozess zählt die Partei unter Führung des Holocaust-Überlebenden und früheren Starjournalisten Tommy Lapid eher zur politischen Rechten.

(APA/dpa)