Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/ Noe

Wiener Neustadt - Dreißig Jahre lang rosteten die Giftfässer still vor sich hin. Anfang der Woche wurden 1000 von ihnen im Zuge der im August 2002 begonnenen Räumungsarbeiten in der Fischer Deponie nahe Wiener Neustadt aufgefunden.

Unterirdisch, und deshalb für die Umwelt besonders gefährlich, wie ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Räumung mitteilte: Weil die Gebinde - zum Teil leck - ihren Inhalt ins schotterdurchsetzte Erdreich abgaben. Und somit das Grundwasser der Mitterndorfer Senke mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verschmutzten. Fast bis dorthin, wo die dritte Wiener Wasserleitung verläuft.

Späte Sanierung

"Acht Jahre länger als nötig" sei diese Kontamination vorangeschritten, merkte am Mittwoch der Niederösterreichische Exlandesrat Hans Jörg Schimanek (FP) an. "1994 hatte ich als Wasserrechtsverantwortlicher des Landes den Räumungsauftrag bereits vergeben. Um 786 Millionen Schilling (rund 57,1 Millionen Euro) an den Bestbieter."

Doch dann habe das Umweltministerium Einspruch erhoben und auf Bundesebene die Landesentscheidung gekippt. "Franz Fischler und Wilhelm Molterer haben Schuld, dass so viel Gift in die Mitterndorfer Senke geraten konnte", klagt Schimanek an, der im niederösterreichischen Landtagswahlkampf derzeit mit Ewald Stadler um die FP-Spitzenkandidatur fightet.

Die Sanierung der zwischen 1972 und 1988 angelegten umfangreichsten Müllaltlast im Wiener Raum geht nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Räumung indes "wie geplant voran". Die Chemiefässer mit Lacken, Lösungsmitteln und anderen Kohlenwasserstoffverbindungen würden mit größter Vorsicht ausgepumpt. Die Verbrennung gefährlicher Stoffe erfolge bei der EBS in Wien.

Bisher 163 Tonnen Gift

Seit Arbeitsbeginn wurden aus der ursprünglichen Schottergrube 296.000 Tonnen Abfall geborgen. Davon waren 163 Tonnen gefährlich: Lösungsmittel und Destillationsrückstände in Fässern. Auch 4000 Tonnen stark kontaminierter Bodenaushub wurden entsorgt. Dem Zeitplan nach wird die aus den Firmen Bilfinger + Berger, Strabag, Alpine-Mayreder und Porr-Umwelttechnik zusammengesetzte Arge Räumung bis Jahresende über 900.000 Tonnen Abfall bergen. Die Kosten inklusive Rekultivierung der Abfalllagerstätte sind mit insgesamt 140 Millionen Euro veranschlagt. (bri, DER STANDARD Printausgabe 23.1.2003)