"Einschreibungsbewegungen in verschiedenste Diskurse in unterschiedlichen Graden von Explizität dienen den Texten Anzaldúas und Moragas zur Autorisierung individueller und kollektiver Identität. Identitätspositionen werden erschaffen und eingenommen, neue Erzählungen generiert."(Anja Bandau in der Schlussbetrachtung ihrer Dissertation)

Diskurs von Machtverhältnissen

Anja Bandau analysiert in ihrer Dissertation drei Texte, die für die feministische Theorie zu fixen Referenzpunkten geworden sind: Gloria Anzaldúas "Borderlands/La Frontera. The New Mestiza"(1987), Cherríe Moragas "Loving in the War Years. Lo que nunca pasó sus labios"(1983) und "The Last Generation. Prose & Poetry"(1993). Die Romanistin kontextualisiert die Texte in ihrer umfassenden intertextuellen und diskursanalytischen Untersuchung in soziopolitischen Machtverhältnissen. Sie deutet deren Funktion in historiographischen und anthropologischen Diskursen, Sexualitäts- und Begehrensdiskursen, kulturtheoretischen und Identitätsdiskursen sowie in Auseinandersetzungen um das Aufbrechen des autobiographischen Genres zwischen Fiktion und Diktion.

Cultural Studies, Gender Studies und Queer Studies

Bandau setzt sich dabei kritisch mit vorhandenen Rezeptionen in den Cultural Studies, Gender Studies und Queer Studies zwischen theory of the fleshund Gründungstext für eine Bewegung des Third World Feminism, De- und Rekonstruktion des lesbischen Körpers, écriture feminine, subversiven Strategien einer Guerilla Autobiographics und einer Ent-(?)/Aneignung der Bilder durch anglo-amerikanische Theoretikerinnen wie Donna Haraway und Judith Butler auseinander. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die marginale Position, die sich für die Autorinnen aus der Zuschreibung und Selbstbezeichnung "queer" und "lesbisch" innerhalb der Chicano-Gemeinschaft und "Women-of-Color/Chicana/Prieta" innerhalb der feministischen Gemeinschaft ergibt, in allen drei Texten zur Begründung einer avantgardistischen Position des sprechenden Subjekts wird.

Vortragende

Anja Bandau ist Romanistin und Amerikanistin an der Universität Potsdam. Sie schoß dort ihr Doktorat im Mai 2002 mit der Dissertation "deconstructing/reconstruyendo: Autorisierungsstrategien in Texten der Chicana-Autorinnen Gloria Anzaldúa und Cherríe Moraga" ab und organisierte ebenda im Juli 2002 die internationale Tagung "Representations of Chicana/o Culture(s): Images, Texts, Products". (Ankündigung/red)