Frankfurt - Einen "blutleeren Aufschwung" erwartet das deutsche Investmenthaus Invesco in den USA und der Eurozone und rechnet daher mit einer volatilen Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte und Staatsanleihen. In den USA signalisiere das Sinken des viel beachteten US-Einkaufsmanagerindex einen Abschwung, der sich bereits in der US-Industrieproduktion wieder spiegle. Dieser sollte aber nicht in einer Rezession, sondern in einer Wachstumsabschwächung münden, heißt es im aktuellen Kapitalmarktjahresausblick der Invesco Asset Management.

Grund zur Hoffnung gebe zwar der fortschreitende Schuldenabbau der US-Unternehmen: Die Außenfinanzierungsquote sei im dritten Quartal 2002 auf zehn Prozent gesunken und damit auf ein Niveau, bei dem in der Vergangenheit Aufschwünge eingesetzt haben. Angesichts der weiter hohen Schuldlast der US-Verbraucher dürfte das US-Wirtschaftswachstum 2003 aber nur bei 2,5 Prozent und damit unter dem Produktionspotenzial von 3,25 Prozent liegen. Noch schwächer fallen die Wachstumsprognosen für den Euroraum (1,1 Prozent) und Deutschland (0,7 Prozent) aus.

Größere Kursgewinne nicht zu erwarten

Größere Kursgewinne an den Aktienmärkten seien damit auch nicht zu erwarten. Die starke Unterbewertung der Märkte und der kräftige Kursverfall vom letzten September dürften zwar kurzfristig eine reflexartige Erholung der Märkte auslösen. Im weiteren Jahresverlauf dürften sich die Börsen aber angesichts des "blutleeren Aufschwungs" unter Schwankungen seitwärts bewegen. Die schwache Konjunkturerholung erlaube es den Unternehmen nicht, ihre üblichen Gewinnwachstumsraten zu erreichen. Das erwartete Gewinnplus von zehn Prozent sei allerdings zu wenig, um den Aktienkursen nach einem kurzen Aufschwung weiteren Auftrieb zu geben.

Gewinnsteigerungspotenzial nur moderat

Ähnlich lautet auch eine aktuelle Markteinschätzung des deutschen Vermögensverwalters Jens Ehrhardt Kapital AG. Das erwartete Gewinnsteigerungspotenzial für 2003 sei nur moderat und limitiere damit die Chance auf einen Aufschwung an den Aktienmärkten. Die Aktienbörsen dürften sich damit im heurigen Jahr in einem volatilen Seitwärtskurs bewegen. Ein viertes negatives Aktienjahr in Folge sei aber nicht mehr auszuschließen.

Auch für die Anleihenmärkte erwarten die Invesco-Experten eine Seitwärtsentwicklung. Angesichts des schwachen Wirtschaftsaufschwungs dürfte die US-Notenbank Fed die Leitzinsen im laufenden Jahr noch nicht anheben, so die Einschätzung von Invesco. Die niedrigen Renditeniveaus der Anleihen dürften damit gehalten werden, Potenzial für weitere Kursgewinne sei aber nicht mehr gegeben. Positiver sei der Ausblick für Unternehmensanleihen, die sich 2003 wegen des fortschreitenden Schuldenabbaus der Unternehmen besser entwickeln dürften als Staatsanleihen.(APA)