London - Tierversuche deuten darauf hin, dass sehr geringe Konzentrationen von Kohlenmonoxid (CO) die Erfolgsrate bei Herzbehandlungen verbessern könnten. In Tests mit Ratten und Mäusen erwies sich das Gas bei der Wiederöffnung von Herzgefäßen sowie der Transplantation von großen Blutgefäßen als hilfreich. CO soll vor einem exzessiven Zellwachstum schützen und das behandlungsbedingte Risiko einer Arteriosklerose senken. Einen Ausweg soll eine einstündige CO-Inhalation darstellen. Ob die Therapie auch Menschen hilft, ist bis dato noch nicht gesichert, schreiben Forscher der University of Pittsburgh und der Harvard Medical School in der aktuellen Online-Ausgabe von Nature Medicine.

Verengte Herzgefäße werden häufig mit einer so genannten Ballon-Dilatation (Angioplastie) gedehnt oder gegen ein Transplantat ausgetauscht. Bei beiden Behandlungen kann die Auskleidung der Blutgefäße beschädigt werden. Die behandelten Gefäße neigen dann dazu, sich zu erneuern bzw. zu verengen.

Schutzfunktion

Im Versuch wurden Ratten und Mäuse kurz vor einer Ballon-Dilatation vier Stunden lang dem niedrig-konzentrierten Gas ausgesetzt. Tiere, die eine Transplantation von Herzgefäßen vor sich hatten, erhielten sofort nach der Operation und für weitere 56 Tage nach dem Eingriff geringe Mengen des Gases. Den Angaben zufolge schadete das an und für sich giftige Gas den Tieren nicht. Beide Male reduzierten sich die Indikationen für eine Arteriosklerose um bis zu zwei Drittel, berichtet die BBC.

"Die Ergebnisse belegen die bedeutende Schutzfunktion von Kohlenmonoxid bei einer vaskulären Verletzung", betont Studienautor Leo Otterbein von der University of Pittsburgh School of Medicine. Die Idee zur Verwendung von Kohlenmonoxid stammt aus der Erkenntnis, dass ein Enzym, die so genannte Hämogygenase, CO produziert, erklärt Ottenbein. Bei einer Verletzung werde mehr Hämogygenase und somit auch mehr Kohlenmonoxid produziert. Die Forschergruppe ging davon aus, dass dies den Zweck habe, einer Entzündung entgegenzuwirken. Jetzt gibt es Hinweise, dass der protektive Effekt von Kohlenmonoxid daraus resultiert, dass es die Aktivierung und die Aktivität der weißen Blutzellen blockiert. Diese Zellen wandern zur Verletzungsstelle und führen zu einer Entzündung. CO könnte aber auch die Proliferation der glatten Muskelzellen entlang der Arterien reduzieren, ergänzt Otterbein. Für weitere Erkenntnisse sollen Versuche an Schweinen folgen.(pte)