Berlin - Der frühere UNO-Koordinator für humanitäre Fragen im Irak, Hans von Sponeck, hält Berichte über eine militärische Bedrohung durch den Irak für eine "eklatante Überspannung der Wirklichkeit". "Die amerikanische Bevölkerung wird wahrlich überschüttet mit angeblichen Beweisen für die immanente Gefahr des Iraks. Die echten Beweise, die fehlen", sagte Sponeck in einem Interview mit dem Nachrichtensender "n-tv" laut Vorausbericht vom Mittwoch.

"Im Januar 2001 sagte der damalige amerikanische Verteidigungsminister (William) Cohen, dass der Irak seiner Meinung nach keine militärische Gefahr für seine Nachbarn darstellt", ergänzte Sponeck. Im Jänner 2001 hatte Cohen allerdings auch darauf hingewiesen, dass Länder wie der Irak, Libyen und Nordkorea vor allem aus Russland und China mit Massenvernichtungswaffen versorgt werden.

Sponeck, der sein Amt vor etwa zwei Jahren aus Protest gegen die Wirtschaftssanktionen zurückgelegt hatte, sagte in dem Interview weiters: "Auf der Basis, was ich gelesen und gesehen habe, kann ich sagen, dass der Irak überhaupt keinen Gefahr für sein Umfeld und schon gar nicht für die Amerikaner darstellt." Die große Gefahr, die angeblich vom irakischen Diktator Saddam Hussein ausgehen solle, sei "Ausdruck eines Psycho-Kriegs". Das eigentliche Risiko sehe Sponeck in der Diktatur. "Von einer militärischen Gefahr auszugehen, ist einfach eine eklatante Überspannung der Wirklichkeit."

Die Zusammenarbeit zwischen der irakischen Regierung und den Abrüstungsexperten um UNO-Chefinspektor Hans Blix sowie dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el Baradei, seien nach Ansicht Sponecks gut vorangekommen. "Dass es da Löcher gibt, war zu erwarten. Aber auf der internationalen Seite hat niemand diese Löcher als so ernst empfunden, dass man sagen könnte, hier liegt eine ernste Verletzung der Resolution 1441 vor und damit die Berechtigung, einen Krieg weiter vorzubereiten und durchzuführen."(APA)