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Wien - Gesundheit und Wellness werden die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Rund um einen erweiterten Gesundheitsbegriff werden sich neue expandierende Märkte und Produktwelten entwickeln. "Hieraus erwachsen auch für Österreich ungezählte Potenziale: neben dem Forschungs- und Entwicklungsbereich vor allem im Wellness-Tourismus-Segment und im gesundheitsbezogenen Nahrungsmittelbereich", meinte Zukunftsforscher Matthias Horx am Mittwoch in Wien bei der Präsentation der gemeinsam mit dem Management- und Technologiedienstleister Accenture erstellten Zukunftsstudie "Accent on the Future".

Diese Entwicklung werde auch vor dem Bereich der staatlichen Gesundheitsversorgung nicht Halt machen und in den nächsten Jahren einen umfassenden Sanierungsprozess nach sich ziehen, so Horx weiter. Nur mehr die Grundbedürfnisse werden hier abgedeckt werden, dagegen werde die Eigenverantwortung des Patienten zunehmend in den Vordergrund treten. Die Restrukturierung einer Krankenhausgruppe in Hamburg habe etwa 25 Prozent Effizienzsteigerung gebracht.

Psychosoziale Gesundheit

Die psychosoziale Gesundheit werde einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Nur solche Unternehmen werden in Zukunft gewinnen, die ihre Humanressourcen aktivieren und motivieren können, denn dort liegen laut Horx die Produktionsressourcen der Zukunft. Während die Unternehmen derzeit eher Mitarbeiter - vor allem ältere - abbauen, werde das produktive Humankapital in den nächsten Jahren die zentrale Knappheit darstellen.

Dafür verantwortlich macht Horx nicht nur die Geburtenrückgänge, sondern auch die Verweigerung, in Bildung zu investieren. "Österreich leidet an einem massiven Mangel an höherer Bildung", so Horx. Damit drohe Österreich in Zukunft eine verlängerte industrielle Werkbank - vielleicht sogar von Ungarn - zu werden, oder es müssten vermehrt Hochschulabgänger importiert werden, so Horx. Gleichzeitig kritisierte er, dass 50 Prozent der heimischen Hochschulabgänger Beamte werden und damit der Wirtschaft verloren gingen.

Konsumenten immer informierter und selbstbewusster

Einen weiteren Zukunftstrend ortet Horx im geänderten Verhalten der Konsumenten. Die als "störrisch" bezeichneten Konsumenten seien immer informierter und selbstbewusster. Damit gehe eine Polarisierung der Märkte und Aufspaltung des Konsumverhaltens einher. "Kaufverweigerung und Preisbetonung stehen der Suche nach außergewöhnlichen Status- und Sinnsymbolen gegenüber", so Horx. Als Folge davon sterbe die qualitative und preisliche Mitte, während der Diskont- und Luxusbereich wachse. Für 2010 schätzt Horx den Marktanteil der Mitte nur mehr auf 10 bis 20 Prozent, während das Hoch- und Tiefpreissegment jeweils 40 bis 50 Prozent ausmachen werde.

"Angesichts dieser Prognose ist zunehmende Flexibilisierung der Unternehmen angesagt", so Country Managing Director von Accenture Österreich, Wolfgang Gattermeyer. Für die Unternehmen gelte es, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren, um die erforderliche Innovationskraft aufzubringen und umsetzen zu können. Flexible Organisationsstrukturen sind auch für Horx das Gebot der Stunde. Sowohl in Deutschland als auch Österreich findet ein Umbruch von der Produktionsindustrie zu einer Wissens- und Kommunikationsindustrie statt.(APA)