Wien - Parfums und sonstige Duftnoten, die den menschlichen Sexualtrieb fördern sollen, sind im Allgemeinen komplizierte und geheimnisumwitterte Mixturen aus den verschiedensten Extrakten und Verbindungen. Wie Manfred Ayasse - derzeit Professor an der Universität Ulm - während Forschungen am Institut für Zoologie der Universität Wien feststellte, geht es im Tier- und Pflanzenreich auch wesentlich einfacher. Im Zusammenspiel einer Orchideenart und einer Wespe reicht im Prinzip schon eine chemische Substanz, um das Wespenmännchen zu betören.

Um Insekten anzulocken und für die Bestäubung gleichsam zu missbrauchen, verlassen sich Orchideen nicht nur auf ihre Farbenpracht und Schönheit. Vielmehr ahmen die Pflanzen ganz gezielt chemische Signalstoffe nach, die auch von Insekten eingesetzt werden, um Sexualpartner anzulocken. Die Insekten werden magisch von dem betörenden Duft angezogen und versuchen teilweise mit der Blüte - als vermeintlichem Partner - zu kopulieren. Durch die intensiven Kontakte zwischen Tier und mehreren Blüten kommt es dabei relativ sicher zur Bestäubung.

Schlicht und einfach

Die Insekten - und somit auch die Pflanzen - setzen dabei offenbar auf verschiedene Strategien. Um Partner der eigenen Art - und nur diese - anzulocken, werden oft relativ einfache chemische Substanzen eingesetzt, die aber dann in einem fein abgestimmten Mix verströmt werden. Wie Ayasse nun herausfand und in The Royal Society's Journals veröffentlichte, sind die Verhältnisse bei der Dolchwespe Campsoscolia ciliata und der Orchideenart Ophrys speculum anders. Weibchen wie auch Orchideen können Männchen schon mit einer einzigen, dafür aber komplizierten chemischen Substanz anlocken.

"Es handelt sich dabei um 9-Hydroxydecansäure, eine organische Säure aus zehn Kohlenstoffatomen und einer Hydroxygruppe, deren Moleküle in zwei verschiedenen, spiegelbildlichen Formen vorliegen", erklärte Ayasse gegenüber der APA. Auch wenn in der Natur noch andere Substanzen eine gewisse Rolle spielen, reicht der Duft der Säure alleine aus, um die männlichen Dolchwespen zu Kopulationsversuchen anzuregen. Voraussetzung ist nur das richtige Verhältnis der beiden spiegelbildlichen Varianten, das sowohl bei den Orchideen als auch bei den Wespenweibchen stimmen muss, um erfolgreich Männchen anzulocken. (APA)