Seoul, 22. Jan - Im Streit um das Atomprogramm Nordkoreas rechnen die USA nach Worten ihres Gesandten John Bolton mit einer Einschaltung des UNO-Sicherheitsrats bis Ende der Woche.

Die USA seien zuversichtlich, dass der Rat sich noch in dieser Woche mit dem Austritt Nordkoreas aus dem Atomwaffensperrvertrag befassen werde, sagte der für Rüstungskontrolle zuständige Vertreter des US-Außenministeriums am Mittwoch nach Gesprächen mit Regierungsvertretern Südkoreas in Seoul. "Ich glaube, dass es nicht die Frage ist ob, sondern wann (der Streit) vor den Sicherheitsrat kommt." Nordkorea drohte für diesen Fall mit der Wiederaufnahme von Raketentests.

Ziel nordkoreanische Atomwaffen zu beseitigen Südkorea unterstütze die Haltung der USA, sagte Bolton weiter. Ziel der US-Politik sei es, die nordkoreanischen Atomwaffen vollständig zu beseitigen. Darin seien sich die USA einig mit den übrigen ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats Großbritannien, Frankreich, China und Russland. Diese sollten daher keine Vorbehalte gegen eine Behandlung des Themas im Rat haben, sagte Bolton. Russlands stellvertretender Außenminister Alexander Losjukow äußerte jedoch Zweifel daran, dass es sinnvoll sei, die Vereinten Nationen (UNO) einzuschalten. "Wenn sie meine persönliche Meinung hören wollen, diese Sitzung des Sicherheitsrats wäre ein bisschen voreilig", sagte er vor Journalisten in Moskau.

Sanktionen und Sicherheitsrat seien zwei verschiedene Dinge

Das Thema vor den Sicherheitsrat zu bringen, bedeute noch nicht, dass Sanktionen gegen den kommunistischen Staat erlassen würden, sagte Bolton weiter. Dies seien "zwei vollkommen verschiedene Dinge". Nordkorea hatte zuvor gedroht, UNO-Sanktionen würden zu einer Eskalation des Streits führen oder könnten sogar Krieg zur Folge haben.

Nordkorea reagierte auf die US-Äußerungen mit der Androhung, weitere internationale Zusagen rückgängig zu machen. Nordkorea werde "sein selbst auferlegtes Moratorium für Raketentests aufheben, wenn und sobald die Angelegenheit vor den Sicherheitsrat gebracht wird", hieß es in Tokio in diplomatischen Kreisen, die Nordkorea nahe stehen. 1998 hatte das Land eine ballistische Langstreckenrakete getestet, die über Japan hinweggeflogen war.

Erklärung über Nichtangriff in Aussicht gestellt

Bolton wies erneut Forderungen Nordkoreas nach einem Nichtangriffspakt zurück, stellte jedoch eine schriftliche Erklärung in Aussicht, dass die USA das kommunistische Land nicht angreifen würden. Er betonte jedoch, es sei an Nordkorea, zunächst sein Atomwaffenprogramm abzuschaffen.

Eine Lösung des Streits solle nicht im Rahmen eines bestehenden Abkommens von 1994 gefunden werden, sagte Bolton. Die Teile der Vereinbarung könnten nicht wieder zusammengefügt werden. Zudem würden die USA Nordkorea kein spaltbares Material mehr zugestehen, sagte Bolton zur Begründung. Damals hatte Nordkorea sich verpflichtet, sein Atomprogramm zu stoppen. Im Gegenzug wurden dem kommunistischen Land Öllieferungen und Hilfe beim Bau zweier Leichtwasserreaktoren zugesichert.

Die USA hatten die Öllieferungen jedoch eingestellt, nachdem Nordkorea nach US-Angaben eingestanden hatte, ein geheimes Atomprogramm weiter betrieben zu haben. Daraufhin erklärte das Land seinen Rückzug aus dem Atomwaffensperrvertrag. (Reuters)