Der Mobilfunkanbieter MobilCom rechnet nach Angaben eines Sprechers nicht damit, dass er sein UMTS-Netz einschließlich der dazu gehörenden Lizenz bis Jahresende verkaufen kann. "Wir hoffen zwar weiter auf einen reichen Scheich aus Dubai, aber realistisch ist das nicht", sagte Mobilcom-Sprecher Wilhelm Fuchs am Mittwoch auf Anfrage in Büdelsdorf.

Mobilcom halte an der vor zweieinhalb Jahren zusammen mit France Telecom für 8,4 Mrd. Euro ersteigerten UMTS-Lizenz vorerst fest. "Wir schauen, was bis Ende des Jahres noch passiert." Wenn bis dahin kein Investor auftrete, werde Mobilcom die Lizenz allerdings wieder an die Regulierungsbehörde zurückgeben müssen.

Die Lizenzbedingungen schreiben vor, dass die Lizenznehmer mit ihrem UMTS-Netz bis Jahresende eine Reichweite von 25 Prozent der Bevölkerung erreicht haben müssen. Mobilcom würde mit seinem Netz nach Angaben des Sprechers zur Zeit 16 Prozent der Bevölkerung erreichen. Ein Ausbau bis auf die geforderte Reichweite scheint aber nahezu ausgeschlossen, denn im Zusammenhang mit der Entschuldung des Unternehmens durch France Telecom wurde ein Einfrieren der UMTS-Aktivitäten vereinbart.

Mobilcom hatte die Abschreibungen auf sein UMTS-Vermögen kürzlich auf 9,9 Mrd. Euro beziffert. Im Gegenzug war in der Bilanz ein Ausgleichsanspruch gegenüber France Telecom von 7,1 Mrd. Euro aktiviert worden.

Der französische Konzern hatte im Rahmen der Mobilcom-Rettung zugesagt, insgesamt sieben Mrd. Schulden von seinem einstigen Partner zu übernehmen. Im Falle eines Verkaufs seines UMTS-Netzes muss Mobilcom 90 Prozent dieser Erlöse an die Franzosen abführen.

Mobilcom bemüht sich Fuchs zufolge seit längerem Zeit um den Verkauf des Netzes. Mit mehreren Konkurrenten würden Gespräche geführt, darunter auch mit der zum niederländischen Telefonkonzern KPN gehörenden Betreiber E-Plus. Zum Stand der Gespräche machte Fuchs keine Angaben. Die vier verbliebenen UMTS-Lizenzinhaber in Deutschland sind T-Online, Vodafone, O2 und E-Plus. Quam hält wie Mobilcom an seiner Lizenz fest, hat seine Aktivitäten aber ebenfalls eingestellt.(APA/Reuters)