Die Berichterstattung in der "Kronen Zeitung" vom Mittwoch über den Konflikt zwischen Zeitungschef Hans Dichand und der deutschen WAZ-Gruppe hat Dichand einen weiteren Brief der WAZ-Anwälte beschert. Dichand versuche, "die WAZ in unsachlicher Weise zu bekämpfen", heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben. Dichand wird aufgefordert, dies zu unterlassen, da er ansonsten "eine - weitere - Verletzung" seiner Pflichten begehe.

Unabhängig von "Interessensgruppen"

Mit dem "Krone"-Aufmacher ("Häupl für Kronen Zeitung in österreichischer Hand")am 22. Jänner und dem dazu gehörenden Artikel verstoße Dichand nämlich gegen den Rahmenvertrag aus dem Jahre 1987. Damals sei festgelegt worden, dass die "Kronen Zeitung" ihre "politische Richtung" nur mit "Zustimmung aller Gesellschafter" ändern dürfe. Diese "politische Richtung" wurde folgendermaßen definiert: Die Zeitung müsse unabhängig von "Interessensgruppen" und "wahrheitsgetreu" berichten.

Darstellung der Gegenseite "versäumt"

"Das heißt aber auch, dass die 'Krone' unabhängig von den Interessen des Herrn Dichand selber sein muss, denn als Hälfteeigentümer ist er in diesem Fall Interessensgruppe", so Daniel Charim, WAZ-Rechtsvertreter in Österreich.

Zur "wahrheitsgetreuen Berichterstattung" gehöre außerdem die Darstellung des Standpunkts der Gegenseite, was die "Kronen Zeitung" am Mittwoch verabsäumt habe. Indem sich die "Krone" nicht an diese Vorgaben halte, ändere sie ihre Linie, damit werde der entsprechende Vertrag verletzt, so die WAZ-Rechtsmeinung. "Die WAZ ist nicht bereit, derartige Verstöße hinzunehmen", wird in dem Schreiben betont.

Per Gesetz die Möglichkeit, einen Geschäftsführer abzusetzen

Die Konsequenzen solcher "Verstöße" könnten laut Charim drastisch sein. "Letztendlich gibt es per Gesetz auch die Möglichkeit, den Geschäftsführer einer GmbH im Rahmen eines Gerichtsverfahrens abzusetzen. Aber wir gehen davon aus, dass Herr Dichand seine Pflichten erfüllt."

Bei der WAZ will man offensichtlich vermeiden, dass sich die "Kronen Zeitung" zu einer konzertierten Kampagne gegen die deutschen Partner aufschwingt. "Deswegen haben wir gleich am ersten Tag reagiert", betonte Charim. "Die Zeitung ist kein Instrument dafür, dass Herr Dichand seine eigenen Interessen verfolgt." (APA) (