An der Spitze des Schweizer Fernsehens DRS steht erstmals eine Frau. Der DRS-Regionalrat hat am Mittwoch die 42-jährige Marketingfrau Ingrid Deltenre als Nachfolgerin von Peter Schellenberg zur neuen Fernsehdirektorin gewählt. Deltenre tritt ihr Amt am 1. Jänner 2004 an. Sie wechselt bereits im Herbst zu SF DRS. Die Medienmanagerin war am Schluss eines mehrmonatigen geheimen Auswahlverfahrens als einzige Kandidatin durch den Regionalratsausschuss der SRG Deutschschweiz zur Wahl empfohlen worden. Der Regionalrat stimmte dem Vorschlag am Mittwoch in Glattbrugg in der geheimen Abstimmung mit 18 von 20 Stimmen zu. Zwei Mitglieder enthielten sich der Stimme.

Geschäftsführerin der Publisuisse

Die aus dem Kanton Aargau stammende Werbespezialistin ist seit drei Jahren Geschäftsführerin der Publisuisse und leitet damit das Werbegeschäft und die Vermarktung der SRG. Zuvor war sie unter anderem Generalsekretärin des Verbands Schweizer Presse und Verlagsleiterin der Wirtschaftszeitung "Cash" bei Ringier.

Kritik

Die Nominierung von Deltenre, die an der Universität Zürich ein Studium in Pädagogik und Publizistik abschloss, wurde teils kritisch kommentiert. Kritisiert wurde vor allem die fehlende journalistische Erfahrung. Aber auch am gesamten Wahlverfahren wurde Kritik geübt, da es ohne Einbezug der Öffentlichkeit vonstatten ging. Die Person Deltenre sei im Regionalrat nicht umstritten gewesen, sagte dessen Präsident Hans Fünfschilling nach der Wahl vor den Medien. Die Wahl habe sich aber verzögert, weil über die Rolle des Regionalrates bei solchen Wahlen diskutiert worden sei. Das Gremium sei zur Erkenntnis gelangt, dass neue Strukturen nötig seien, sagte Fünfschilling.

Deltentre habe das Wahlgremium überzeugt durch "ihre Führungserfahrung und ihre ausgewiesenen Branchenkenntnisse". Gemäß SRG-Generaldirektor Armin Walpen war journalistische Erfahrung keine unabdingbare Voraussetzung für das Direktorenamt. Gefragt war auch nicht eine reine Managementpersönlichkeit. (APA/sda)