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Madrid - Die Unabhängigkeitsbewegung der Westsahara, Polisario, hat am Mittwoch den jüngsten Vermittlungsvorschlag des ehemaligen US-Außenministers James Baker zurückgewiesen. Das Angebot sei nur eine Wiederholung eines früheren Vorschlags, den alle Parteien außer Marokko zurückgewiesen hätten, sagte der Polisario-Delegierte Brahim Ghali in einem Flüchtlingslager in Südalgerien. Baker bemüht sich seit fast sechs Jahren als UN-Sonderbeauftragter um eine Lösung des seit mehr als 20 Jahren andauernden Konflikts zwischen Marokko und Polisario.

Laut Ghali sieht sieht Bakers Vorschlag, den dieser in der vergangenen Woche bei einem Besuch in der Region vorlegte, eine vierjährige Autonomie für die Westsahara innerhalb Marokkos vor. "Jeder Vorschlag, der das Recht der Saharaouis auf Selbstbestimmung unberücksichtigt lässt, wird abgelehnt", erklärte Ghali.

Kofi Annan hatte um Verlängerung des UN-Mandats für Westsahara gebeten

Am Dienstag hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan darum gebeten, das UN-Mandat in der Westsahara um zwei Monate zu verlängern. So solle beiden Seiten Zeit gegeben werden, Bakers Vorschlag zu überdenken. Das Mandat der UN-Mission, an der rund 240 Militärbeobachter und Polizisten beteiligt sind, läuft am 31. Jänner aus. Die Vereinten Nationen wollen am (morgigen) Donnerstag über eine mögliche Verlängerung entscheiden.

Nach dem Rückzug der ehemaligen Kolonialmacht Spanien im Jahr 1975 hatte Marokko den größten Teil der Westsahara annektiert. 200.000 Saharaouis leben seitdem in Flüchtlingslagern in Algerien. 1976 rief die Polisario in dem Gebiet eine Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus. Kämpfe mit marokkanischen Truppen endeten 1991 mit einem Waffenstillstand. Die Vorbereitungen für ein geplantes Referendum scheiterten jedoch an der Frage, wer stimmberechtigt sein soll. (APA/AP)