New York - Die Ergebnisse der führenden amerikanischen Finanzdienstleister Merrill Lynch und J.P. Morgan Chase für das Jahr 2002 sowie das Schlussquartal klaffen deutlich auseinander. Merrill Lynch, die größte US-Investmentbank, sowie die Citigroup, die führende US-Bank, haben trotz der schlechten Konjunktur, der schwachen Verfassung der Wall Street und Sonderbelastungen im Zusammenhang mit den Vergleichen zur Beilegung von irreführenden Analysten-Berichten hohe Gewinne verbucht. Dagegen gab es bei J.P. Morgan, der zweitgrößten US-Bank, wegen hohen Sonderbelastungen im Zusammenhang mit Klagen wegen des in einem Insolvenzverfahren befindlichen Energiehändlers Enron einen Quartalsverlust.

Merrill Lynch verdiente im vergangenen Jahr 2,6 Mrd. Dollar (2,43 Mrd. Euro) gegenüber 573 Mio. Dollar im Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie legte auf 2,69 (0,57) Dollar zu, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Es waren 143 Mio. Dollar an Sonderbelastungen nach Steuern im Zusammenhang mit Ausgaben für den Vergleich zur Beilegung von Vorwürfen über Analystenberichte angefallen.

Kostensenkungen

Merrill-Lynch-Chef Stan O'Neill betonte, die besseren Ergebnisse seien direkt auf die Kostensenkungen und Umsatz steigernde Maßnahmen in bestimmten Bereichen zurückzuführen gewesen. Das Unternehmen verdiente im Schlussquartal 603 Mio. Dollar oder 63 Cent je Aktie. Merrill Lynch hatte im Oktober-Dezember-Abschnitt 2001 wegen Milliardenbelastungen für Massenentlassungen einen Verlust von 1,3 Mrd. Dollar oder 1,51 Dollar je Aktie verbucht. Merrill Lynch habe im vergangenen Jahr 6500 Mitarbeiter gefeuert. Das Unternehmen habe in den vergangenen zwei Jahren 30 Prozent seiner Stellen gestrichen, berichtete die US-Wirtschaftsagentur "Bloomberg".

J.P. Morgn mit Quartalsverlust

J.P. Morgan Chase wies für das vierte Quartal 2002 hingegen rote Zahlen von 387 (Vorjahresvergleichszeit: 332) Mio. Dollar oder 20 (18) Cent je Aktie aus, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Sonderbelastungen wurden auf 1,3 Mrd. Dollar beziffert. Es fielen auch noch Fusions- und Umzugskosten von 393 Mio. Dollar an. Ohne die Sonderkosten hätte J.P. Morgan Chase 36 Cent je Aktie verdient.

J.P. Morgan Chase verdiente im Gesamtjahr 1,66 (1,69) Mrd. Dollar oder 80 (80) Cent je Aktie. Die Großbank war im Dezember 2000 durch den Zusammenschluss der Chase Manhattan und der J.P. Morgan entstanden.

Die Citigroup hatte bereits am Dienstag einen Gewinn von 15,3 Mrd. Dollar für 2002 ausgewiesen, plus acht Prozent. Allerdings gab es im Schlussquartal 2002 auf Grund hoher Sonderbelastungen von 1,3 Mrd. Dollar einen Gewinnrückgang von 37 Prozent auf 2,43 Mrd. Dollar. (APA)