Genf - Die Frauen sind in Krisengebieten systematisch sexueller Gewalt und anderen Gräueln ausgesetzt. Oft wurden diese Verbrechen nicht dokumentiert und die Täter nicht zur Verantwortung gezogen. Zu diesem Schluss kommt ein am Mittwoch in Genf veröffentlichter Bericht des UNO-Entwicklungsfonds für die Frau (UNIFEM). 40 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten, 80 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Nach Schätzungen der UNO sind mehr als 70 Prozent der Opfer Zivilisten, ebenfalls mehrheitlich Frauen und Kinder.

Die Autorinnen des Reports, die frühere finnische Verteidigungsministerin Elisabeth Rehn und die frühere liberianische Finanzministerin Ellen Johnson Sirleaf, untersuchten weltweit 14 Kriegsgebiete. Sie fanden heraus, dass Frauen entführt werden und Opfer von sexueller Gewalt, Zwangsschwangerschaften sowie Sklaverei sind.

Fehlende Einbeziehung der Frauen in Friedensverhandlungen

Trotz zahlreicher Initiativen von Frauen, um einen Konflikt zu vermeiden oder zu beenden, hätten sie selten Zugang zu politischen Entscheidungsstrukturen. Zudem würden sie nicht in offizielle Friedensverhandlungen einbezogen. Das widerspricht der Resolution 1325, die der UNO-Sicherheitsrat im Jahr 2000 verabschiedet hatte.

Die Autorinnen kritisieren besonders die Straffreiheit der Täter. Sie fordern, dass eine internationale Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Gewalt an Frauen in bewaffneten Konflikten geschaffen wird. Mit Hilfe dieser Kommission sollen die Verbrechen dokumentiert und anerkannt werden.

Maßnahmen gegen Frauen- und Mädchenhandel notwendig

Außerdem seien Maßnahmen gegen den Frauen- und Mädchenhandel notwendig. Vertriebene Frauen sollten von humanitären Organisationen besser geschützt werden. Als weitere Forderungen nennen die Autorinnen psychologische Hilfe für die Opfer sowie genderspezifische Bildungsprogramme für das Personal humanitärer Organisationen, für Militärs und Zivilpersonen.

Die Autorinnen fordern zudem den UNO-Generalsekretär auf, mehr Frauen an wichtigen Stellen der Friedensarbeit einzusetzen. In den nächsten drei Jahren soll die Anteil der Frauen auf 30 Prozent erhöht werden. Ein gleiches Verhältnis zwischen Frauen und Männern soll bis 2015 erreicht werden. (APA/sda)