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US-Präsident Bush: Weniger Sternchen für seine Politik

Foto: REUTERS/Mike Theiler

Erstmals seit seiner Wahl zum US-Präsidenten missbilligt eine Mehrheit der Amerikaner die Wirtschaftschaftspolitik von George W. Bush. Auch die Befürworter eines Irakkriegs sind im Schwinden.


Die Amerikaner schätzen die Wirtschaftslage in ihrem Land derzeit nicht eben rosig ein. Laut einer Umfrage der Washington Post glaubt lediglich ein Viertel der Befragten, die Lage sei gut oder gar ausgezeichnet. Noch beunruhigender für das Weiße Haus ist freilich, dass erstmals seit seinem Amtsantritt sich eine Mehrheit von 53 Prozent der Amerikaner gegen die Wirtschaftspolitik von Präsident George W. Bush ausspricht.

Auch in der Irakpolitik dürften die Ergebnisse nicht ganz zu Bush’ Zufriedenheit ausgefallen sein: Obwohl eine Mehrheit der Amerikaner noch immer eine militärische Aktion gegen den Irak befürwortet, hat die öffentliche Unterstützung in letzter Zeit beträchtlich abgenommen. Laut der erwähnten Umfrage von Washington Post/ABC News sprechen sich 57 Prozent grundsätzlich für einen Krieg aus, verglichen mit 62 Prozent Mitte November und 78 Prozent während der Monate nach dem Terroranschlag des 11. September 2001.

Wenige Erfolge

Sieben von zehn Amerikanern würden die Suche der Waffeninspektoren nach Massenvernichtungswaffen um mehrere Monate verlängern; etwa die Hälfte befürwortet eine diplomatische Lösung - gleichzeitig sind jedoch 61 Prozent der Ansicht, die Diplomatie zeige nur wenig oder keine Aussicht auf Erfolge.

In einer weiteren Umfrage kam Newsweek am Wochenbeginn mit ähnlichen Zahlen heraus: 81 Prozent befürworten einen Krieg mit dem Irak, allerdings unter dem Vorbehalt, dass dieser mit voller Unterstützung der Alliierten und der Rückendeckung durch den UN-Sicherheitsrat geführt wird. Auch hier wünschen sich 60 Prozent mehr Zeit für die Erforschung von alternativen Lösungen.

Laut Washington Post sind auch die Popularitätswerte von Präsident Bush stark ge 2. Spalte sunken; allerdings sind sie mit 59 Prozent noch immer hoch. Laut Newsweek liegen die Werte derzeit bei etwa 56 Prozent und eine CNN-Time Umfrage ergibt die noch niedrigere Zahl von 53 Prozent. Alle Umfragen sind sich jedoch da rüber einig, dass die Werte im Falle eines Krieges wieder steil ansteigen würden.

Im Weißen Haus ist man unbesorgt: Man erwartet, dass Bush den Amerikanern in seiner Rede zur Lage der Nation am nächsten Dienstag eine militärische Aktion schmackhaft machen kann; derzeit wollen 58 Prozent die angeblich vorhandenen Beweismittel gegen den Irak sehen und 71 Prozent erklärten, die USA solle diese auch dann bekannt machen, wenn die UN-Inspektoren keine harten Beweise gegen den Irak fänden. Zugleich muss Bush die skeptischen Amerikaner überzeugen, dass sein Wirtschaftsprogramm den Wohlstand wieder herstellen wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2003)