Mit Liedgut der Kategorie Gauner-Ska, Wodka-Schneebars (inkl. "Schnee-Sponsoring"), original russischem TV und Zigaretten, ja sogar einer altrussischen offenen Garage importiert Graz eine weitere Jubelstadt ins Jubeljahr 2003.

St. Petersburg feiert sein 300-jähriges Bestehen auf seinen ehemaligen Sümpfen, schickt eine bildende.dis-kurs.film.rock-Delegation als "Aktuelle Kunst" ins Forum Stadtpark. Die Petersburger Nekrophilen entwerfen im Rotor ihre Weltbilder (DER STANDARD berichtete), im Forum dagegen wird live gearbeitet und gelebt. Da entstand ein wändefüllendes Comic von Kirill Suvalov, in dem das so genannte "Venedig des Nordens" bildlich von seinen alles andere unterdrückenden Klischee-Klassikern - Büchern von Tolstoj, Dostojewski und Konsorten - niedergebombt wird: Frieden und Krieg auf Russisch, Ähnlichkeiten mit anderen Städten (Mozartkugeln über Salzburg?) sind rein zufällig.

Petersburg steht grosso modo im Gegensatz zum konzeptuellen Moskau für - homoerotisch getönte -Boheme, barocke Üppigkeit, Neo-Akademismus. Der kann auch etwas daneben gehen wie die klassizistischen Selbstinszenierungen von Maslov/Kuznecov, auch wenn der performative Charakter der Aktionen betont wird. "Sprechende Kleider" hat das Duo Gljuklja und Caplja recht gespenstisch in einem Kellergang inszeniert. Keine Wearables, sehr russisch. Das Petersburger Filmschaffen, vom Experimentalfilm bis zum Kassenschlager Brat (Bruder) - inklusive russischem James Dean - läuft im Rechbauerkino.

Weniger aus dem prallen Leben als aus der Kunstgeschichte schöpft der junge Brite Jonathan Monk in seiner Installation, deren Titel vieles schon erklärt: small fires burning (after Ed Ruscha after Bruce Nauman after). Monk filmt mit schleifend-drehender Kamerabewegung das langsame Abbrennen von 16 Blättern eines 1964 veröffentlichten Ed-Ruscha-Künstlerbuches, welches wiederum brennende Gegenstände zeigt.

Bruce Nauman hatte dies ebenfalls bereits 1967 gemacht und in burning small fires dokumentiert. "Fortlaufende Vernichtung als Wertschöpfung" (Raimar Stange) in der Kunst könnte man diese selbstbezügliche Aktion nennen. Nauman hatte wenige Dollars für Ruscha bezahlt, Monk bereits 1600 Dollar - und nun geht es weiter mit dem Preis für das Video. Verdopplungen in der Kunst sind systematisch heutzutage: Graz ist dafür das beste Beispiel, etwa mit der Uhrturm-Doublette von Markus Wilfling.
(DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2003)