Bregenz - David Pountney, designierter Intendant der Bregenzer Festspiele, mag die Trennung in ernsthafte Kunst und Unterhaltung nicht. Aus den Festspielen soll "ein Fest" werden, versprach Pountney am Mittwoch bei einem Pressegespräch und gab einen Ausblick auf 2004.

Die Zweiteilung - hier Seebühnenproduktion für den Massengeschmack (7000 Plätze) und dort die Nebenbühnen für die weniger zahlreichen Kunstexperten - soll nach und nach aufgehoben werden. Um das Seebühnenpublikum zur zeitgenössischen Reihe "Musik aus der Zeit" zu "verführen", soll es ab 2004 "Packages" geben: Spiel auf dem See im Kombipack mit der Oper, die Matineen veranstaltet.

Festspielpräsident Günther Rhomberg sprach von einer "Fortsetzung des bisherigen Weges mit neuen Akzenten". Pountney: "Aus vier Wochen Festspiele werden vier Festspielwochen mit jeweils eigenen Höhepunkten." Inhaltlich wird die übernächste Saison die West Side Story auf der Seebühne und im Festspielhaus zwei selten gespielte Kurzopern von Kurt Weill bringen: Royal Palace, eine österreichische Erstaufführung und Der Protagonist, die erste Oper des damals noch blutjungen Komponisten.

Seine erste programmatische Rede als designierter Intendant der Bregenzer Festspiele hielt Pountney am Dienstagabend beim Medienempfang der Vorarlberger Landesregierung. Eingeleitet von einem Mozart-Menuett, folgte dem Vortrag die Aufführung eines Chansons von Kurt Weill. Die Musikauswahl wurde durch die Rede inhaltlich rückgekoppelt: David Pountney klagte über den "sterilen Prozess einer kulturellen Polarisierung" in Unterhaltung und ernste Kunst.

Diese Zweiteilung werde der Kunst nicht gerecht. So schrieb Mozart Tanzmusik für die breite Masse, entwickelte in seinen Menuetts populäre Genres weiter und wurde dadurch zu einem Avantgardisten seiner Zeit. Kurt Weill begann umgekehrt seine Karriere in der Tradition der deutschen Klassik und entwickelte sich später zum gefeierten Komponisten einer Reihe von Broadway-Musicals.

Pountney wehrt sich gegen den "Rückzug der modernen Musik in ein intellektuell verschlossenes Kämmerchen". An Weill könne man sehen, dass eine Popularisierung der Avantgarde, eine Überwindung der Polarisierung in E und U durchaus möglich sei.
(DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2003)