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WAZ-Chef Erich Schumann

Foto: APA/Techt

Ein Lehrstück im Schaffen von Fakten lieferte die "Kronen Zeitung" in ihrer Mittwochausgabe. Denn ein Reporter des "Krone Hitradios" stellte nach Ende der allwöchentlichen Pressekonferenz des Wiener Bürgermeisters diesem eine Frage bezüglich der "Krone". Und Michael Häupl antwortete, er habe "größtes Interesse daran, dass die größte Zeitung in Österreich in österreichischer Hand bleibe".

Monströser Aufmacher

Die "Krone" bastelte daraus einen monströsen Aufmacher. Der "Streit" zwischen "Hälfteeigentümer, Hauptgeschäftsführer und Chefredakteur Hans Dichand" und dem deutschen WAZ-Konzern habe "jetzt auch den Bürgermeister auf den Plan gerufen". Headline: "Häupl für eine österreichische "Kronen Zeitung"!"

Feindbild

Der "Bericht" suggeriert, die WAZ wolle etwas anderes. Dabei sprach sich deren Geschäftsführer Erich Schumann lediglich gegen die Bestellung von Dichands Sohn Christoph zum Chefredakteur per 1. Februar aus, da dieser, ein Jurist, kein Talent zum Blattmacher habe. Die WAZ nahm daher entschieden Stellung: Dichand manipuliere "seit Tagen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten" und "auch in der eigenen Zeitung an der Wahrheit herum". Dabei sehe die WAZ in der "Krone" seit 15 Jahren ein "faktisch österreichisches Produkt". Die Unterstellungen, man wolle den "deutschen Einfluss" ausweiten, seien falsch: "Dichand versucht, ein Feindbild aufzubauen, damit man sich in bestimmten Kreisen Österreichs mit seinen persönlichen Interessen solidarisiert."

Einseitige Darstellung

Zudem stößt sich die WAZ an der einseitigen Darstellung des "Erbfolgekriegs", wie die "Stuttgarter Zeitung" den Streit bezeichnete. Denn in der "Krone" ist nur zu lesen, dass Dichands Entscheidung, die Chefredaktion seinem Sohn zu übertragen, "aufgrund von Verträgen rechtlich abgesichert" sei: In einem Schreiben des Anwalts Daniel Charim, dem Vertreter der Mediengruppe, wird festgehalten, dass "der gegenteilige Standpunkt der WAZ unerwähnt bleibt". Der Artikel diene dazu, "die WAZ in unsachlicher Weise zu bekämpfen".

"In voller Unabhängigkeit von Interessensgruppen"

Dabei sei die "Krone" vertragsgemäß "in voller Unabhängigkeit von Interessensgruppen" zu führen. Dichand habe daher als Geschäftsführer seiner "Verpflichtung zuwidergehandelt". Er wurde daher "dringend" aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die "volle Unabhängigkeit" der Zeitung "von Interessengruppen (insbesondere von Ihren eigenen Interessen)" und die Prinzipien wahrheitsgetreuer Berichterstattung beachtet werden.

"Ungeheurer Nepotismus"

Sollte Dichand, dem Schumann "ungeheuren Nepotismus" vorwirft, erneut seine Pflichten verletzten, will die WAZ Klage auf Abberufung des Geschäftsführers einbringen: "Wir lassen uns nicht überfallen", so Schumann gegenüber dem STANDARD. Und Christoph Dichand wurde unterrichtet, dass er nicht das Recht habe, die Tätigkeit als Chefredakteur anzutreten oder sich als solcher zu bezeichnen. Falls doch, "werden wir alle rechtlichen Mittel einsetzen", kündigt Schumann an: "Mein Anwaltsteam arbeitet rund um die Uhr." Geprüft werde auch, ob man die Mitarbeiter notfalls auffordern könne, Christoph Dichands Anweisungen nicht Folge zu leisten.

Dichand junior will "gegen jeden Widerstand" antreten

Der Junior bekräftigte gegenüber "News" dennoch, seinen Job "gegen jeden Widerstand" anzutreten: "Die Bestellung ist erfolgt, und ich habe die volle Unterstützung meiner gesamten Redaktion." (siehe dazu: Dichand junior will "gegen jeden Widerstand" antreten)

Nachfolgekandidaten

"Krone"-intern wird gemunkelt, dass einer der arrivierten alten Hasen nicht in die Pension gedrängt werde oder von einer Änderungskündigung betroffen sei. Denn der 65-jährige Michael Kuhn, einer der stellvertretenden Chefredakteure, sollte den Junior in den kommenden Jahren unter seine Fittiche nehmen und ihm zeigen, wie's geht. Aber dann wurde der Senior, wie berichtet, totgesagt. Und wollte die Nachfolge von einem Tag auf den anderen geregelt wissen.

Als geeignete Chefredakteure gelten im Haus neben Kuhn auch die weiteren stellvertretenden Chefredakteure Georg Weiland und Christoph Biro sowie die Leiter der Bundesländer-Redaktionen Claus Pàndi, Markus Rudthard und Hans-Peter Hasenöhrl. Immer wieder genannt werden auch der "News"-Chef Wolfgang Fellner und der ehemalige "Krone"-Manager Hans Mahr.

Die Frage, wen die WAZ präferiere, wollte Schumann nicht beantworten: "Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht." Eines sei aber sicher: Eine Bestellung erfolge nur "im Konsens mit den Mitarbeitern". (Thomas Trenkler/DER STANDARD; Printausgabe, 23.1.2003)