Exakt 1133 Amerikaner hat die Washington Post in den vergangenen Tagen über ihre Ansichten zur Politik ihrer Regierung befragt. Wenn diese 1133 das Volksempfinden zuverlässig widerspiegeln, dann hat George W. Bush ein Problem. Nicht nur die Argumente, mit denen die Regierung den Bürgern die Notwendigkeit eines Irakkriegs plausibel machen will, stoßen zunehmend auf Skepsis. Es ist vor allem das Handling der sich auf einem Schlingerkurs befindlichen Wirtschaft, das den Amerikanern missfällt. Nur noch 43 Prozent glauben, dass Bush hier gute Arbeit leistet - ein alarmierender Wert für einen Präsidenten, der es sich nach dem 11. September 2001 lange auf einem prallen Beliebtheitspolster bequem machen durfte. Jetzt wirkt der Polster mehr und mehr fadenscheinig und abgewetzt.

Bei der Erforschung der Ursachen dieses Imageverfalls werden die Spin-Doktoren nicht lange suchen müssen. Beim Irak ist es eine eher konfuse Informationspolitik, bei der die Regierungsmitglieder ihre Meinungsunterschiede mitunter offen austragen, anstatt eine konsistente, nachvollziehbare Argumentationslinie zu ziehen. Auf ökonomischem Gebiet ist es nicht nur die offenkundige Ratlosigkeit der Regierung, wohin sie denn ihr Schifflein lenken soll, sondern auch die Ankündigung einer Steuerreform, die vor allem den US-Großaktionären zugute käme: Für die Zigtausenden Pensionisten, die nach Enron und Co ihre Spardollars für die alten Tage in den Kamin schreiben konnten, muss das, selbst bei der notorischen Duldsamkeit vieler Amerikaner gegenüber erheblichen Einkommensunterschieden, wie eine kleine Provokation wirken.

In seiner Rede zur Lage der Nation am 28. Jänner wird Bush also einiges zu erklären haben. Der Wahlkampf 2004, der schon jetzt am Horizont wetterleuchtet, kommt bestimmt - und wenn sich die Meinungstrends so fortsetzen, würde Bush seine Kampagne unter eher suboptimalen Bedingungen antreten müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2003)