Wien - Etwa 80.000 Opfer forderte der Holocaust auf österreichischem Gebiet. Die Namen der 65.000 getöteten Juden wurden vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes vollständig erfasst und öffentlich zugänglich gemacht. Sie und die geschätzten 15.000 weiteren Opfer (Widerstandskämpfer, Roma und Sinti, Homosexuelle, Behinderte) waren jedoch bisher nur Namen auf einer endlosen Liste. Mit dem Projekt "A Letter To The Stars/ Briefe in den Himmel" will man den Opfern "Namen, Gesicht und Würde wiedergeben", betonte Projektorganisator Andreas Kuba.

Schüler sollen im Rahmen des größten schulischen Zeitgeschichte-Projekts aus der Liste der Opfer einen bestimmten Menschen auswählen, um dessen Lebensgeschichte nachzuzeichnen.

Biographische Basisdaten

Die Schüler erhalten biographische Basisdaten, Historiker helfen bei der Literatursuche. Alles weitere ist dann den Schülern überlassen: Sie können Zeitdokumente (Briefe, Zeitungsberichte) durchstöbern, aber auch Interviews mit Hinterbliebenen und Zeitzeugen führen. So soll die von den Nationalsozialisten systematisch durchgeführte Entmenschlichung und Degradierung zur Nummer wieder rückgängig gemacht werden: Am Ende steht wieder der Mensch.

Das Projekt mündet dann am 5. Mai, dem nationalen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus, in eine Abschlussveranstaltung am Wiener Heldenplatz. An weißen Luftballons befestigte Briefe der Schüler an die von ihnen "adoptierten" Menschen steigen als Teil eines "Living Memorials" in den Himmel.

An der Veranstaltung werden neben Bundespräsident Thomas Klestil, der den Ehrenschutz über das Projekt übernommen hat, unter anderen auch Simon Wiesenthal und Steven Spielberg teilnehmen. (red, DER STANDARD Printausgabe 23.1.2003)