Wenn das nach der Regierungsbildung so weitergeht mit dem gegenseitigen Belauern, den Vorabbedingungen und mit den Ankündigungen, dass man sich keine Bedingungen stellen lasse, mit diesem Herumgeschupfe von großen "Reformpaketen", wo nie richtig klar wird, was denn nun die Reform konkret bedeutet (außer Opfer für große Teile der Bevölkerung, da kann man getrost davon ausgehen); wenn diese gegenseitigen Schuldzuweisungen dann vier Jahre so weiterbetrieben werden - dann wird eine große Koalition eine bleierne Angelegenheit. Diese Partnerschaft, so sie überhaupt eine wird (aber gehen wir einmal davon aus), wird dann eine öde, uninspirierte Angelegenheit. Wobei an eines zu erinnern ist: Schüssel hat das schwarz-blaue Experiment gewagt, weil er, so seine Worte, "neu regieren" wollte. Das wurde ein gewaltiger Bauchfleck, weil mit seinem Wunschpartner FPÖ nicht zu regieren war. Schüssel hat zwar trotzdem die Wahlen gewonnen, aber das Versprechen des "neu Regierens" ist großteils noch uneingelöst. Schüssel hat daher, ebenso wie Gusenbauer, die Verpflichtung, eine wirkliche Erneuerung zu ermöglichen. In diesen Verhandlungen ist davon wenig zu sehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2003)