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Demonstranten unterstützen Präsident Gbagbo.

reuters/gnago

Paris/Abidjan - Die gespannten Mienen der Konferenzteilnehmer kontrastierten mit den vielen schönen Worten. Der französische Präsident und Konferenzgastgeber Jacques Chirac hatte seine ganze Überzeugungskraft aufbieten müssen, um den ivorischen Staatschef Laurent Gbagbo für den Friedensplan zu gewinnen. Dieser ließ seinen Unmut bei einer gemeinsamen Pressekonferenz spüren: "Wenn ich den Krieg gewonnen hätte, wäre diese Konferenz gar nicht nötig geworden. Da ich nicht gewonnen habe, werde ich meinen Beitrag leisten, damit wieder Friede herrscht und die neue Regierung ihre Arbeit aufnehmen kann."

Gemäß dem Abkommen, das die ivorischen Bürgerkriegsparteien in tagelangen Verhandlungen in Linas-Marcoussis, südlich von Paris, erzielten, erhält Gbagbo einen Premierminister zur Seite gestellt, der aus dem aufständischen Landesnorden stammt. Diese Regierung "der nationalen Versöhnung" soll insbesondere die Beteiligung von Immigranten aus dem Norden an freien Wahlen garantieren.

Chirac forderte die Parteien mit Nachdruck auf, das Abkommen "bis zum letzten Buchstaben" einzuhalten. Am Sonntag hatten in der Wirtschaftsmetropole Abidjan Tausende von Gbagbo-Anhängern gegen den Friedensplan - und die französische Vermittlung - demonstriert, weil die muslimischen Rebel- len ihrer Meinung nach zu stark begünstigt würden. Vor der französischen Botschaft kam es zu schweren Ausschreitungen; einzelne Gebäudeteile gingen in Flammen auf. Gbagbo rief bei der Pressekonferenz zur Ruhe auf und kündigte seine sofortige Rückkehr nach Abidjan auf.

Der Friedensplan wurde am Sonntag in Paris von mehr als einem Dutzend westafrikanischer Staatschefs abgesegnet, darunter aus den Anrainerstaaten Burkina Faso, Liberia und Mali; Sierra Leone und Guinea hatten ranghohe Vertreter geschickt. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte in Paris eine Wirtschaftshilfe von 400 Mio. Euro zu. (Stefan Brändle/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2003)