Foto: Hersteller
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Es darf gestutzt werden in Köln. Hier, wo sonst Kaufleute und Versicherungsmenschen den Ton angeben, wo unter Messe meist nur Handel, nicht aber Qualität verstanden wird, hier wird nun Design zum Kernthema der Möbelmessen erklärt. Was manch einen Beobachter staunen macht - ist doch ein Möbel ohne Design kaum denkbar. Von dieser Feinheit unbenommen: Die neue Politik der Messe bringt ein Feuerwerk an Parallelaktionen, Sonderschauen und ergänzenden Präsentationen mit sich, was das übliche Angebot der Hersteller abrundet.

So lobte man erstmals einen Preis aus, der sich dem innovativen Interieur verschrieben hat. Und sogleich zeigen zwei junge Designer, Stefan Diez und Christophe de la Fontaine, wie elegant sich eine trickreiche Idee, gemeinsam mit einem mutigen Produzenten - Elmar Flötotto - umgesetzt, zu einem ökonomisch sinnvollen Ganzen verbinden kann. Ihr Sessel "Instant Lounge", eigentlich nur eine Platte aus gepresstem Kunststoff, ist beschichtet mit allerlei unterschiedlich dekorierten Textilien. Aber durch die geschickte Anordnung von Knickfalten lässt sich aus der Platte ein Sessel zaubern, der überaus stabil am Boden steht. Und dass er bald für schlappe 50 Euro zu haben sein wird, zeigt wieder einmal, dass Design nicht unbedingt teuer, edel und luxuriös sein muss.

Manchmal reichen einfach scharfsinnige Überlegungen. Wovon einige zu besichtigen sind. Etwa auf dem Areal, das die Messe nun für den Nachwuchs freigeräumt hat. Unter dem Namen "Spin off" empfehlen sich hier die Berufsjugendlichen der Branche, stets hoffend, auf diesem Wege entdeckt zu werden, wie es Dietz und Fontaine erging, als sie ihre "Instant Lounge" in Mailand präsentierten. Vielleicht könnte sich durch diese Aktivität der Messe für den Entwurf von Kai Richter ein Produzent finden. Sein Sitzmöbel, das einem Barren aus der Turnhalle gleicht, bietet ein erhöhtes Platznehmen: Hier wird so etwas wie spontanes Sitzen zelebriert. Was in anderer Höhe, nämlich direkt am Boden, auch der Klappsitz von Johannes Fuchs ermöglicht. All dies verbreitet gute Stimmung, und - lässt auf bessere Zeiten hoffen, die die vom Umsatzrückgang gebeutelte Branche auch dringend nötig hat.

Und es werden Zeichen gesetzt. Signale, die zunehmend auf hohe Qualität hinweisen, nicht auf Ramsch. Dazu bedurfte es freilich nicht der anregenden Aktivität der Messe. Schon traditionell darf nämlich das "Forum 8" bestaunt werden - ein lockerer Zusammenschluss feinster Möbelhersteller aus der Schweiz. Hier zeigt etwa "Belux" eine kleine Deckenleuchte, deren Licht durch auswechselbare Transparentpapiere fällt. Oder ein Möbel, das - hergestellt von "Lehni" - die Nutzung als Regal oder Sessel ganz offensiv dem Benutzer überlässt. Entworfen hat es der 1994 verstorbene Künstler Donald Judd.

Und ein neuer Gast ist unter die Decke der feinen Schweizer Gesellschaft geschlüpft: der Metallverarbeiter "Trunz". Das junge Möbellabel zeigt ein Sideboard, das die raue Sprache banaler Bleche mit den Vorzügen feiner Verarbeitung paart. (DER STANDARD/rondo/Knuth Hornbogen/24/01/03)