Zagreb - Obwohl am Mittwoch Gespräche zwischen Gesundheitsminister Andro Vlahusic und Gewerkschaftsvertretern in gang gesetzt worden waren, haben die kroatischen Spitalsärzte ihren Streik am Donnerstag fortgesetzt. Damit hat das medizinische Personal in den Krankenhäusern bereits den neunten Tag in Folge die Arbeit niedergelegt. Die Grund- und Notversorgung wurde jedoch aufrechterhalten. Bei dem Dialog zwischen Vlahusic und dem Chef der Ärztegewerkschaft (HLS) Ivica Babic kam es Mittwoch Abend offenbar zu keiner Lösung. Das Gespräch sollte am Donnerstag fortgesetzt werden.

Babic hatte in den vergangenen Tagen überrascht, indem er die Forderungen nach Gehaltserhöhungen auf bis zu 45 Prozent geschraubt hatte. Die Regierung machte klar, dass man allenfalls über eine zehnprozentige Anhebung reden könnte. Teile der Gewerkschaft wie die Sektion der Krankenschwestern und -pfleger sowie der medizinisch-technischen Assistenten erklärten sich mit den Forderungen nciht einverstanden.

"Wir können diese Forderungen nicht unterstützen", sagte die Vorsitzende der Sektion, Zdenka Gizdic, gegenüber der kroatischen Nachrichtenagentur Hina, "zwar sind die Ärzte das Rückgrat der medizinischen Versorgung. Spitalsarbeit ist aber Teamwork, daher dürfen andere Berufsgruppen von den Erhöhungen nicht ausgeschlossen sein." Ziel müsse eine alle medizinischen Berufsparten umfassende kollektivvertragliche Lösung sein.

Laut Babic wurde der Streik am Donnerstag wie bisher fortgesetzt, angeblich beteiligten sich um die 90 Prozent des medizinischen Personals daran. Die Gewerkschaft setzte unterdessen auch ihre Gespräche mit der Opposition fort. Nachdem sie am Dienstag bei der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) Unterstützung gefunden hatte, wurde am Mittwoch der kroatische Block (HB) konsultiert. Der HB war im vergangenen Jahr vom ehemaligen HDZ-Rechtsaußen Ivica Pasalic gegründet worden. HB-Politiker warfen Gesundheitsminister Vlahusic nach dem Treffen "Inkompetenz und Unverantwortlichkeit" vor.

Krankenhausärzte verdienen in Kroatien im Staatsdienst umgerechnet 900 Euro im Monat. Die Gewerkschaft verlangt für praktische Ärzte ein Mindestgehalt von 7.000 Kuna (935 Euro) und für Fachärzte 9.000 Kuna (1.202 Euro). Ursprünglich hatten die rund 7.000 Mediziner in den Krankenhäusern eine Gehaltserhöhung von 15 Prozent gefordert. (APA/Hina)