Graz/Wien - Rund die Hälfte der Österreicher stirbt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Jetzt schlägt ein Team um den ärztlichen Direktor des Landeskrankenhauses Bad Radkersburg, Prim. Dr. Bernhard Zirm, Alarm: Fast ein Drittel der Österreicher hat zu viel gefährliches Homocystein im Blut. Das fördert die Gefäßverkalkung und somit das Auftreten von lebensgefährlichen Erkrankungen. Zirm und seine Mitarbeiter haben laut eigenen Angaben die erste große wissenschaftliche Untersuchung dazu durchgeführt.

"Ein großer Teil der Erkrankungen durch Atherosklerose ("Gefäßverkalkung", Anm.) wie Herzinfarkt und Schlaganfall ist mit den bekannten Risikofaktoren (Cholesterin, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsarmut etc.) zu erklären. Seit einigen Jahren erregt aber der neue Risikofaktor Homocystein größere Aufmerksamkeit. Homocystein scheint vor allem für die Entstehung der Atherosklerose sowie für venöse Thrombosen mitverantwortlich zu sein", erklärte Zirm gegenüber der APA.

Dreißig Prozent der ÖstereicherInnen betroffen

Homocystein ist ein Abbauprodukt des Eiweiß-Stoffwechsels. Normal sind Werte unter zwölf Mikromol (Mol: in der Labormedizin gebräuchliche Maßeinheit). Eine Ernährung, die arm an Folsäure und Vitamin B (Vitamin B6 und B12) ist, sowie genetische Faktoren führen allerdings zu erhöhten Werten. Wahrscheinlich bildet das Homocystein mit dem "bösen" LDL-Cholesterin ein "teuflisches Duo", das die Atherosklerose besonders stark fördert.

Bisher gingen die Ärzte davon aus, dass "bloß" zehn Prozent der Menschen erhöhte Homocysteinwerte im Blut aufweisen. Doch die steirischen Wissenschafter haben erschreckende Daten erhoben. Zirm: "Wir haben in Zusammenarbeit mit zehn niedergelassenen Ärzten in unserer Gegend bei 528 Personen die Homocysteinkonzentration im Blut gemessen." Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es da ein auch in der täglichen Routine praktikables Messverfahren.

Der Internist über die Ergebnisse: "Bei der Auswertung der Daten von 528 Teilnehmern im Alter von 20 bis 75 Jahren lag insgesamt bei 31 Prozent der Probanden eine Hyperhomocysteinämie (mehr als 11,7 Mikromol, Anm.) vor. In einer ersten Gruppe von 188 Teilnehmern im Alter von 20 bis 40 Jahren (Durchschnittsalter: 31,5 Jahre, Anm.) fanden sich elf Prozent mit erhöhtem Homocystein im Blut."

Mit dem Alter steigt die Gefahr

Mit dem Alter steigt offenbar der Anteil der Gefährdeten stark an: Unter den 201 Testpersonen im Alter zwischen 40 und 60 (Durchschnittsalter: 56 Jahre) waren es schon 32 Prozent, die bedenkliche Werte zeigten. Bei einer dritten Gruppe von 139 Teilnehmern im Alter zwischen 60 und 75 Jahren hatten sogar schon 56 Prozent der Probanden zu viel Homocystein im Blut.

Zirm über Lebensstil-Gründe, die als Mitverursacher gelten: "Die Ernährungsgewohnheiten im Südosten und Osten Österreichs sind besonders schlecht. Daraus lässt sich der ein Folsäuremangel bereits durch die einseitige Gemüse- und Obst-arme Ernährung, zu viel Fett und Alkohol erklären." Folsäure ist das wichtigste natürliche "Gegenmittel" zum Homocystein. (APA)