Frankfurt/Wien - Die deutsche "Paybox", europaweiter Anbieter eines Handy-Bezahlservices, streicht die Segel. Das Unternehmen zieht die Konsequenzen aus der mangelnden Kundenakzeptanz und wird das Privatkundengeschäft in Deutschland, Schweden und Großbritannien einstellen. In Österreich wird die Mobilkom das Service retten.

Hierzulande wird die Telekom Austria-Tochter, die bisher zu 49 Prozent an Paybox Austria beteiligt war, per 30. Juni 2003 das Bezahlsystem vollständig übernehmen. Zudem kauft die Mobilkom auch die Lizenzen für ein Paybox-Angebot in Osteuropa und das gesamte Paybox-IT-System, das künftig von Österreich aus betrieben wird.

Buy-Out in Spanien

In Spanien rettet ein Management Buy-Out den Betrieb. Bei der Paybox-Gruppe selbst verbleiben lediglich die Marken-, Lizenz- und Patentrechte sowie das Business-Kundengeschäft in Deutschland.

Das vor rund zwei Jahren unter dem Namen "Paybox" eingeführte Privatkundengeschäft habe sich nicht erwartungsgemäß entwickelt, teilte Paybox am Donnerstag in Frankfurt mit. Es sei "nicht gelungen, die kritische Masse aktiver Nutzer zu erreichen".

"Sehr langsame" Entwicklung

Entgegen den Erwartungen habe sich der Markt für mobile Bezahldienst "sehr langsam" entwickelt, begründete Paybox den Kurswechsel in der Unternehmensstrategie. Das "anhaltend schwache Investitionsklima" habe zu einer mangelnden Kooperationsbereitschaft bei Banken geführt. Zuletzt war die Deutsche Bank als Hauptaktionär ausgestiegen.

Paybox hat als bisher branchenweit einziges Unternehmen eine Technologie entwickelt, mit der Handy-Nutzer unabhängig vom Netzanbieter mit ihrem Handy kostenlos Kleinbeträge bezahlen oder Geld überweisen können. Insgesamt hatte das Service zuletzt in Westeuropa rund 750.000 registrierte Benutzer. in Österreich hat Paybox derzeit 50.000 Kunden und 1.300 Händlerpartner.

Mobilkom zuversichtlich

Aus Sicht der Mobilkom hat das Zahlungsystem in Österreich eine "gewaltige Fantasie". Die Kooperation zwischen der Mobilkom und der Paybox sei in Österreich sehr erfolgreich. "Wir merken, dass sich hier viel bewegt", meint eine Unternehmenssprecherin auf APA-Anfrage.

Über den Kaufpreis für die Paybox-Teile wollte die Mobilkom am Donnerstag keine Information bekannt geben. Die übernommenen Bereiche seien aber jedenfalls nicht mit Schulden belastet gewesen, so die Sprecherin.

Mit der ebenfalls erworbenen Paybox-IT will die Mobilkom laut Marketingchef Hannes Ametsreiter "die Voraussetzung für eine österreichische Betreiber-Plattform schaffen, die aus anderen Mobilfunkfirmen ebenso wie aus Banken bestehen kann". Mit Paybox-CEE erhält die Mobilkom Lizenzen in den Ländern der Tschechischen Republik, Slowenien, Ungarn, den Balkanstaaten und Bulgarien.

Die vollständige Übernahme der Paybox Austria bringt außerdem eine Änderung im Vorstand mit sich. Bereits mit 1. Jänner 2003 hat Jochen Punzet (33), bisher in leitender Positionen bei der Mobilkom, die Funktion des Vorstand für Marketing, Vertrieb und Finanzen bei der Paybox Austria übernommen. COO (Chief Operating Officer) wurde Thomas Capka (45), zuletzt bei Visa tätig. Norbert Burkhart, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der paybox austria AG, wird zukünftig für den Vertrieb und Marketing der paybox Gruppe verantwortlich sein. (APA/Reuters)