Kino, Fernsehen und Computer halten Jugendliche einer deutschen Studie zufolge vom Theaterbesuch ab. Unter gut 1000 befragten 16- bis 29-jährigen Deutschen, die seit mehr als drei Jahren kein Theater mehr besucht haben, gehen fast 78 Prozent stattdessen lieber ins Kino. Knapp 50 Prozent gaben an, einem Video oder einem Videoclip den Vorzug zu geben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Bühnenvereins in Zusammenarbeit mit zwei Instituten, die am Donnerstag in Köln vorgestellt wurde.

"Nichtbesucher-Studie"

Die "Nichtbesucher-Studie" ergab, dass Geldbeutel und Garderobe bei der Jugend eine wichtige Rolle spielen: 65 der Befragten nannten als Hinderungsgrund die Annahme, sie müssten sich elegant kleiden. Knapp 55 Prozent meinten, Theater sei ein teurer Spaß. 59 Prozent beklagten außerdem, im Theater keine Bekannten zu treffen.

Männer als Theatermuffel

Insgesamt belege die Studie auch erneut, dass Frauen dem Theater eher positiv gegenüber eingestellt seien, während Männer eher als Theatermuffel gelten. Seriöse Zahlen über junge Besucher und Nichtbesucher in Deutschland gebe es nicht, sagte eine Sprecherin des Bühnenvereins.

Laut Studie führen Eltern und Schulen die Jugendlichen nicht ausreichend an das Theater heran. Lediglich knapp 19 Prozent der Befragten sagten, ihre Eltern hätten ihnen das Theater näher gebracht. Fast 49 Prozent der jungen Befragten gaben dies für die Schulen an. Zugleich wünschen sich 46 Prozent, in der Schule besprochene Stücke auch im Theater zu sehen.

Eine zweite Untersuchung des Bühnenvereins unter 130 Mitgliedstheatern und -orchestern ergab, dass Jugendlichen praktisch ausnahmslos erhebliche Preis-Ermäßigungen angeboten werden. 52 Prozent hätten ein spezielles Abonnement für Jugendliche im Programm, das häufig auch Backstage-Besuche oder Treffen mit Künstlern beinhalte.(APA/dpa)