RY COODER / MANUEL GALBÁN
Mambo Sinuendo
(Nonesuch)

Foto: Nonesuch

Instrumentale Gesänge sind ja zunächst ein Widerspruch in sich. Wenn schon Singen das Schlüsselwort einer Ästhetik sein soll, dann bietet sich doch eigentlich die Umsetzung durch eine Stimme an. Andererseits, auf den höchst vokalen Saxofon-Ton eines Ben Webster, eines Paul Desmond oder Stan Getz will man nicht verzichten. Im Gitarrenbereich hat etwa Jim Hall die Kunst des sparsamen, quasi vokalen Zugangs zum Instrument zur Vollendung getrieben. Mit Saitenkünstler Manuel Galbán haben wir auch einen Sänger vor uns, allerdings einen, der zweifellos all seine Vorstellungen aus dem Instrument heraus schöpft und nicht versucht, Vokalisten nahe zu kommen, auch wenn er zweifellos "singen" will.

Das klingt kompliziert, tönt aber gut. Auf Mambo Sinuendo ergibt sich erstens die Begegnung mit einem keck-kuriosen Gitarren- sound- und Stil - ein bisschen denkt man an Les Paul. Diese Liebe zum Staccato und Pizzicato! Diese unwirsch einbrechenden Akkordbrocken, die den jeweiligen Song durchrütteln. Das hat etwas originell Ungehobeltes, jede Kantilene ist durchdrungen von keckem Stolz. Galbán verzichtet auf Glattheit und gewinnt so viel Unmittelbarkeit. Zweitens ist dies hier eine Begegnung mit den 50er-Jahren und dem Repertoire der kubanischen Vokalgruppe Los Zafiros, bei der Galbán als Gitarrist und Arrangeur tätig war. Gitarrist und Produzent Ry Cooder, mit dessen Hilfe die sich mittlerweile beruhigte Kubawelle ausgelöst wurde und wunderbaren Menschen wie Ibrahim Ferrer, Rubén González und Omara Portuendo sehr viel Reisefreuden bereitete, hat mit Galbán den Mambo-Sound jener fernen Zeit einzufangen und modern zu übermalen versucht. Gelungen.

Das Ganze hat Flair, wirkt angenehm einlullend und dabei durch den deftigen Einsatz von Schlagwerk auch herzhaft bewegt. Und über all dem, über all der nostalgisch wie narkotisch wirkenden Atmosphäre, schwebt eben der eigenwillige Gitarrensound, der mitunter auch angenehm verhatscht und komisch (bei dem Song Patricia etwa) wirkt. Galbán kann es aber auch auf der Orgel. Muss man haben.
(DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2003)