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Graz - Im Magna Steyr-Werk in Graz-Thondorf startete am Donnerstagnachmittag die Serienfertigung der neuen Mercedes Benz E-Klasse der Baureihe 211, im Beisein von Magna International-Chefin Belinda Stronach und der steirischen LH Waltraud Klasnic. Bis 2010 sollen im Grazer Werk 125.000 Stück der E-Klasse produziert werden, so Herbert Demel, Magna Steyr-Präsident und CEO. Sein Vorgänger Siegfried Wolf, Magna International Executive Vice Chairman, sagte, ab 2004 werde in Graz die Marke von 200.000 Fahrzeugen aller Typen pro Jahr angepeilt.

Vorerst werden in Graz ausschließlich Modelle der 4x2-Standardausführung der neuen E-Klasse gebaut, um die so genannte Anlauffertigung im "Mutterwerk" Sindelfingen zu unterstützen. Im Frühsommer kommen dann die von Magna Steyr entwickelten Modelle der 4matic-Allradversion dazu. Diese werden exklusiv in Graz gefertigt. Im ersten Produktionsjahr sollen jedenfalls über 23.000 Fahrzeuge der E-Klasse in beiden Antriebsvarianten vom Band rollen.

"Gesamtfahrzeugkompetenz"

Magna International-Chefin Belinda Stronach erklärte, die E-Klasse sei ein neuerlicher Beweis für die einzigartige Stellung des Konzerns in der Zulieferindustrie. Mit Magna Steyr, "wo wir gesamte Fahrzeuge entwickeln und fertigen können", habe man Kompetenzen, "die praktisch kein anderer unabhängiger Zulieferer seinen Kunden bieten kann". Diese "Gesamtfahrzeugkompetenz" werde ein Schlüsselfaktor für die künftige Strategie von Magna sein, so Stronach.

In diese Kerbe schlug auch Magna-Steyr-Chef Demel. Man strebe eine Verbreiterung des Kundenportfolios an: "Bei der Entwicklung ist dieses bereits breiter als bei der Fahrzeugproduktion", so Demel, der auch meinte, nach dem Serienanlauf werde die Produktion ab März "zügig hochgefahren", von täglich 48 auf dann 112 Fahrzeuge. Der bei Magna Steyr für Marketing zuständige Hubert Hödl erklärte, die Nachfrage nach der E-Klasse aus Graz habe alle Erwartungen übertroffen. Die Hälfte der bisher hier produzierten rund 97.000 Stück sei in die USA gegangen. Hödl betonte auch den Standort als Job-Lokomotive: Jeder Magna-Arbeitsplatz schaffe zwei Jobs in der Zuliefer-Industrie.

Was eine mögliche Ausweitung der Produktion auf die EU-Osterweiterungsländer betreffe, so meinte Wolf auf diesbezügliche Journalistenfragen: Die Osterweiterung sei nicht nur Bedrohung, sondern auch Chance: "Wir haben in Graz im Jahr 2004 rund 200.000 Stück Jahresproduktion an Fahrzeugen angepeilt. Das ist eine Verdreißigfachung seit den Anfängen." Man könne in diesem Zusammenhang den Osten auch als "Unterstützungsmarkt" sehen, so Wolf.

Magna-Vize nimmt Regierung in die Pflicht

"Magna International und auch der Industriestandort Steiermark können sich über dieses Großprojekt freuen", meinte der Vize-Chef des Autozulieferer-Konzerns, Siegfried Wolf, in Graz am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Produktionsstart der neuen Mercedes E-Klasse. Man dürfe aber auch nicht die Nachteile des Standortes Steiermark vergessen, so Wolf. Als Vertreter der Wirtschaft fordere er Maßnahmen, die diese Nachteile kompensieren. Dazu gehören u.a. Ausbau von Bahn und Straße, keine Doppelbemautung sowie eine Lohnnebenkostensenkung. Dies wolle er, Wolf, einer neuen Bundesregierung "gleich zum Start mit auf den Weg" geben.

Der Standort Graz habe durch seine geographische Lage nicht nur Vorteile, erklärte der Magna-International-Vizechef. Gerade im Hinblick auf die Osterweiterung der EU und die immer stärkere Bedeutung der Faktoren Zeit und Kosten in der Automobilindustrie fordere er Maßnahmen, die die Nachteile "kompensieren oder zumindest mindern". Konkret gehe es dabei um einen Ausbau der Infrastruktur: Die Strecken über das Ennstal und den Pyhrn seien weder für Bahn noch für Lkw ausreichend ausgebaut.

Dazu komme die Forderung nach der Verbesserung des Bahn-Angebots, das derzeit "starr, unflexibel und von langen Laufzeiten" gekennzeichnet sei. Er wolle die Bahn ja durchaus als echte Alternative sehen. Gleichzeitig wolle er ein Nein zur weiteren Standortverschlechterung durch Doppelbemautungen deponieren. Die Industrie müsse nicht nur Jobs sichern, sondern auch wettbewerbsfähig sein können, meinte Wolf. Es brauche auch eine Senkung der Körperschaftssteuer, eine Regelung bei der Nichtentnahme von Gewinnen sowie eine Lohnkostennebensenkung, um im internationalen Vergleich standhalten zu können. (APA)