Davos/Wien - Geprägt ist das WEF, das nach einem Abstecher nach New York heuer wieder in Davos stattfindet, von den möglichen Auswirkungen eines US-Militärschlages gegen den Irak auf die darniederliegende Weltkonjunktur und den Ölpreis. Am Sonntag wird dazu US-Außenminister Colin Powell in Davos erwartet, nur einen Tag bevor US-Chefinspektor Hans Blix dem UN-Sicherheitsrat über den Stand der Waffenkontrollen im Irak Bericht erstatten wird.

Die Rekordsumme von zehn Millionen Euro lässt sich die Schweiz die Sicherheitsmaßnahmen kosten, 1500 Soldaten unterstützen das Polizeiaufgebot vor Ort. Nur die Nobelhotels sind angetan vom Treffen der Prominenz. Erstmals in der Geschichte der Schweiz darf die Armee verdächtige Flugzeuge im Luftraum über Davos ohne Vorwarnung abschießen.

"Open Forum" für NGOs

Den Globalisierungsgegnern, die am Samstag in stark begrenzter Zahl in Davos demonstrieren dürfen, haben die Veranstalter schon im Vorfeld versucht, den Wind aus den Segeln zu nehmen. WEF-Gründer Klaus Schwab bezeichnete sich selbst als "einen der ersten Globalisierungskritiker überhaupt".

Ein groß angekündigtes "Open Forum" soll einen gewissen Dialog zwischen Nichtregierungsorganisationen und der Weltwirtschaftselite ermöglichen. Die "echten" Konzern- und Globalisierungskritiker treffen sich freilich im südbrasilianischen Porto Alegre, am gleichzeitig stattfindenden Weltsozialforum. Der linksgerichtete neue brasilianische Präsident Luiz Inacio da Silva ("Lula") wird sowohl in Porto Alegre als auch in Davos sprechen.

Aufschwung, bitte wie?

Während beim letzten Treffen Anfang 2002, noch vom nahenden Wirtschaftsaufschwung die Rede war, lautet das heurige Generalmotto "Rebuilding Trust" (Vertrauen wiederherstellen). Das wird schwierig: Nach einer Serie von Großpleiten, Bilanzskandalen und dem Börsenabsturz zittern die Wirtschaftskapitäne nun vor den Auswirkungen eines US-Irak-Krieges. Börsenguru Ralph Acampora glaubt etwa, dass der Dow Jones um mehr als 1000 Punkte fallen könnte, sagt dann aber wieder eine Gegenbewegung der Kurse voraus. (DER STANDARD, Printausgabe, 24. 01. 2003)