Hans Dichand ist die Krone. Die Krone ist Österreich (meint wenigstens Hans Dichand, und man wird ihm teilweise zustimmen müssen). Ein Ende der Ära Dichand wäre vielleicht auch ein Ende der Krone, wie wir sie kennen - und das wäre eine größere Veränderung des Landes als irgendwelche Koalitionsvarianten. Wenn nun der deutsche 50-Prozent-Teilhaber an der Krone, Erich Schumann vom WAZ-Konzern, deklariert, "die journalistische Ära Dichand geht ihrem Ende zu", dann horcht die Republik auf. Und sie stellt sich die Frage: Schafft Schumann das? Schumann hat die klare Absicht, Dichand Vater (und Sohn) aus den journalistischen und wirtschaftlichen exekutiven Funktionen (Chefredakteur, Herausgeber, Geschäftsführer der "Redaktionsgesellschaft") zu drängen und einen "gestandenen Journalisten" von in- oder außerhalb der Redaktion einzusetzen. Also letztlich Dichand Vater und/oder Sohn auf die reine Miteigentümerfunktion zu beschränken.

In einem genau 50:50 geteilten Unternehmen ist es schwer, seinen Willen gegen den anderen durchzusetzen. Schumann versucht daher, Dichand juristisch auszuhebeln, indem er ihm Pflichtverletzungen nachzuweisen sucht. Nach dem Gesetz kann ein Geschäftsführer aus "wichtigem Grund" abgesetzt werden.

Hans Dichands Beschluss, seinen Sohn per 1. 2. 2003 als Chefredakteur der Krone einzusetzen, widerspreche einer Abmachung, die im Sommer 2001 getroffen wurde, argumentiert Schumann. Mit diesem Schritt habe er gleichzeitig auch seine damit verbundene Position als Geschäftsführer verwirkt, argumentiert Schumanns Wiener Rechtsvertreter Daniel Charim. Aber nicht nur das, sondern auch seinen Anspruch auf einen "Vorweggewinn" von rund zehn Millionen Euro, der Di- chand unabhängig vom Geschäftserfolg zusteht. Di- chand wird auch vorgeworfen, den Streit als Übernahmeversuch eines österreichischen Heimatblattes durch machtgierige Deutsche darzustellen. Schumann hat auch schon früher das Befremden der Deutschen über "zu arge nationalistische oder antisemitische Töne" deponiert.

Ein juristischer Sieg Schumanns auf allen Linien wird nicht ganz leicht zu erringen sein, wenn überhaupt, und jedenfalls Jahre dauern. Aber Schumann und Charim können Di- chand das Leben schwer machen (obwohl dieser ein Veteran bitterster Gerichtsschlachten um das Eigentum an der Krone ist ).

Da weder Dichand noch Schumann ihre Anteile verkaufen wollen, können sich die meisten Insider nichts anderes vorstellen, als dass am Ende doch Vermittler einen Kompromiss herbeiführen. Aber bis dahin wird die Marke Krone nicht gerade aufpoliert.

In einer solchen Situation versuchen dann oft andere Verlage, den verwundeten Riesen anzugreifen, etwa durch eine Gründung eines Konkurrenzblattes. Dazu hat derzeit wohl niemand Geld und Lust, aber auszuschließen ist es nicht für immer.

Andere Pläne richten sich auf die Zeit nach Hans Dichand: dass Dichands Erben, auch Sohn Christoph, letztlich doch lieber verkaufen wollen, als eine Zeitung mit einem feindseligen Partner zu betreiben. Das kann heißen, alles geht an die WAZ (die möglicherweise ein Vorkaufsrecht besitzt), oder es übernehmen andere ausländische und/ oder österreichische Partner den Dichand-Anteil.

Dann wird sich der spezifische Charakter der Kronen Zeitung, der untrennbar mit Hans Dichand verbunden ist, wohl ändern. Die spannende Frage wird dann sein, ob die Krone so sein muss, wie sie Hans Dichand gemacht hat, um seinen Erfolg zu erzielen.
hans.rauscher@derStandard.at
(DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2003)