Bregenz - Wäre die Notschlafstelle des "Dowas" (Der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende) ein Tourismusbetrieb, könnte sich der Trägerverein über die gute Auslastung freuen. Weil die zehn Betten in der Bregenzer Quellenstraße aber für Menschen in Notsituationen gedacht sind, spricht Dowas-Geschäftsführerin Maria Laura Bono von "bedauerlicherweise erhöhter Nachfrage".

2750 Übernachtungen wurden im Vorjahr gezählt. 118 Männer und 22 Frauen, die aus verschiedensten Gründen kein Dach mehr über dem Kopf hatten, fanden in der Notschlafstelle Aufnahme.

"Wir haben es längst nicht mehr mit klassischen Klienten zu tun", sagt Dowas-Vereinsobfrau Answin Weissenborn, "es kommen immer mehr Menschen mit ganz normalen Biografien, bei denen eine einzige falsche Entscheidung zur Notlage geführt hat". Verschuldung durch Wohnungseigentum, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes. 28 Tage pro Quartal können Obdachlose in der Einrichtung verbringen. Nur ein Viertel der Klienten sind "Stammgäste".

Das Dowas besteht seit 1982 und ist damit die älteste niederschwellige Einrichtung in Vorarlberg. Das Jubiläumsjahr 2002 wurde zum Prüfstein für die auf 40 Mitarbeitende angewachsene Organisation. Ein beträchtliches Minus zwang zum Handeln, die Belegschaft reagierte mit freiwilligen Lohnverzicht. Nun ist für Geschäftsführerin Bono "wieder Land in Sicht". Als nächstes will man für Jugendliche eine Notwohnung ausbauen. (jub, DER STANDARD Printausgabe 24.1.2003))