Österreich schneidet beim Brüsseler Kompromiss über die Zinsbesteuerung finanziell schlechter ab als der Nicht-EU-Staat Schweiz. Die von Finanzminister Karl-Heinz Grasser hervor gehobene Gleichbehandlung mit der Schweiz erstreckt sich auf die Erhaltung des Bankgeheimnisses - nicht aber auf den dafür zu zahlenden Preis. Dies geht aus dem Text hervor, auf den sich die EU-Finanzminister am Dienstag einigten.

Die Schweiz darf demnach - anders als der Fiskus in Wien - einen großen Teil der Steuereinnahmen behalten, die sie aus der Belastung der Zinserträge ausländischer Anleger erzielen wird. Die künftige Regelung - "25 Prozent der Steuern bleiben als Bearbeitungsgebühr im Land, 75 Prozent gehen an die zwölf EU-Staaten ohne Bankgeheimnis" - gilt nämlich nicht für alle Schweizer Steuern auf EU-Ausländergeld. Sie gilt aber für alle Steuern Österreichs.

Nach dem Brüsseler Kompromiss muss Wien ab 2004 stufenweise eine neue Zinsertragssteuer in Höhe von zuerst 15, dann 20 und zuletzt 35 Prozent für ausländische Spareinlagen einführen - bis jetzt sind diese steuerfrei. Die Schweiz hingegen erhebt schon länger eine 35-prozentige Quellensteuer auf Spareinlagen Gebietsfremder. Dieses Geld darf sie auch in Zukunft zur Gänze behalten.

Denn auf EU-Druck einführen muss Bern nur eine neue Steuer für Ausländer auf die Erträge aus deren Treuhanddepots und Schweizer Investmentfonds. Allein diese Steuern sind dann nach dem Schlüssel 75/25 zu teilen. Wien hingegen muss alle neuen Zinssteuern mit den EU-Partnern teilen - gleich aus welcher Quelle sie stammen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.1.2003)