Istanbul/Washington - Die Teilnehmerstaaten der Istanbul-Konferenz haben den Irak in einer gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit mit der UNO in der Abrüstungsfrage aufgefordert. Die USA als energischster Befürworter eines militärischen Vorgehens gegen Bagdad würden in der von der Türkei, Ägypten, Jordanien, Syrien, Saudiarabien und Iran verabschiedeten Deklaration nicht erwähnt, sagte am Donnerstagabend ein Teilnehmer der Konferenz. Die fünf Anrainerstaaten des Iraks sowie Ägypten waren auf türkische Initiative in Istanbul zusammengetroffen, um Möglichkeiten für eine friedliche Lösung der Irak-Frage zu erörtern.

Zur Bekräftigung ihres harten Irak-Kurses hat die Regierung in Washington unterdessen einen siebenseitigen Bericht über mutmaßliche Verstöße Bagdads gegen die UNO-Abrüstungsvorschriften vorgelegt. Unter dem Titel "Wie sieht Abrüstung aus?" wirft der Katalog dem Irak unter anderem vor, den UNO-Kontrolloren Dokumente vorzuenthalten. Die Papiere würden an schwer zugänglichen Orten wie in Privathäusern von Regierungsbeamten versteckt.

Waffen würden in Seen, Flüssen, Moscheen und Krankenhäusern verborgen und ständig an neue Verstecke gebracht, heißt es in dem Bericht des Weißen Hauses weiter. Tausende Iraker seien in Bemühungen der Regierung eingebunden worden, die Kontrollen der Vereinten Nationen zu unterlaufen. Weiter wiederholt das Papier die Vorwürfe der USA, dass der irakische Waffenbericht an die UNO bestimmte Aktivitäten und der Verbleib von waffenfähigem Material nicht erkläre.

Fischer und Gül fordern von Irak Kooperation mit UNO

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer und der türkische Regierungschef Abdullah Gül haben den Irak zur bedingungslosen Kooperation mit den UNO-Inspektoren aufgefordert, um einen Krieg zu vermeiden. Fischer warnte am Donnerstag nach einem Treffen mit Gül in Istanbul erneut vor den Folgen eines US-Angriffs auf den Irak für die regionale Stabilität. Er würdigte die "exzellente" Initiative Güls, der eine Regionalkonferenz einberufen hatte, um Wege für eine Lösung des Irak-Konflikts zu finden. Gül forderte den irakischen Machthaber Saddam Hussein nach Angaben aus Delegationskreisen zu einem "Ende des Taktierens auf".

Journalisten hörten versehentlich mit

Während der Istanbuler Konferenz zur friedlichen Beilegung der Irak-Krise ist ein Teil der Minister-Gespräche versehentlich über Kopfhörer an Journalisten übertragen worden. Die Presseleute konnten die nicht öffentliche Diskussion der Außenminister am Donnerstagabend ungefähr zehn Minuten lang mithören, bevor ihnen die Kopfhörer weggenommen wurden. Dabei war unter anderem der ägyptische Chefdiplomat Ahmed Maher zu hören, der vom Irak eine stärkere Zusammenarbeit forderte: "Wir müssen den Irak ermutigen, besser zusammenzuarbeiten, wie es (der türkische Ministerpräsident) Abdullah Gül vorschlägt."

Der iranische Außenminister Kamal Kharazi rief die Anwesenden dazu auf, "an die irakische Bevölkerung und ihre Interessen" zu denken: "Wir müssen unser Bestes tun, um diesen barbarischen Krieg abzuwenden." Die in einem Nebenraum wartenden Journalisten hatten sich die Kopfhörer für eine im Anschluss geplante Pressekonferenz ausgeliehen.(APA/dpa/AP)