Hannover - Prostata-Patienten können jetzt auf besonders schonende Weise operiert werden. Mediziner der Universitätsklinik Leipzig haben eine so genannte Schlüssellochtechnik entwickelt, die mittlerweile auch an der Medizinischen Hochschule Hannover mit großem Erfolg eingesetzt wird. Dank dieses minimal invasiven Verfahrens lässt sich ein großer Bauchschnitt vermeiden, die Patienten erholen sich schneller, und der Krankenhausaufenthalt verkürzt sich, wie die Experten berichten.

Zu den großen Vorteilen dieses Verfahrens zählen die Ärzte auch, dass kaum Blutungen auftreten, die Patienten nur sehr selten eine Blutkonserve erhalten müssen und das Risiko von Harninkontinenz und Impotenz als Folge des Eingriffs deutlich niedriger ist als bei einer so genannten offenen Operation. Schließlich könne der Harnröhrenkatheter, der immer nach der Entfernung des Krebses eingelegt werden müsse, wesentlich früher als bisher wieder entfernt werden.

Eine der häufigsten Krebsformen

Tumore der Prostata sind bei älteren Männern eine der häufigsten Krebsformen. Zehn Prozent aller 50-Jährigen und siebzig Prozent aller 80-Jährigen sind davon betroffen. Schätzungen zufolge erkranken in der Bundesrepublik jährlich rund 40.000 Männer daran. Rund 9.000 sterben pro Jahr an den Folgen. Zur Standardtherapie gehört es, die Prostata einschließlich der Samenblasen vollständig zu entfernen - bisher über einen Bauchschnitt oder einen Schnitt am Damm.

Bei dem neuen Verfahren führen die Ärzte nach fünf kurzen Hautschnitten unterhalb des Bauchnabels kleine Instrumente in das Becken der Patienten ein. Eine Kamera ermöglicht es den Chirurgen, das Operationsfeld mit fünf- bis zehnfacher Vergrößerung an einem Bildschirm zu überblicken. Ein aufblasbarer Ballon sorgt dafür, dass das Bauchfell mit den dahinter befindlichen Darmanteilen zurückgedrängt wird. In der so geschaffenen Höhle können sich die Operateure frei bewegen, und der Weg zur Prostata ist frei. Dank dieser Technik wird die Bauchhöhle komplett umgangen, die Bauchorgane werden nicht verletzt, und die Mediziner können den Tumor entfernen.

In Leipzig wurden bisher 118 Patienten auf diese Weise operiert, in Hannover zwölf. Nach Angaben der Urologen waren die Eingriffe in allen Fällen erfolgreich. Die Komplikationsrate sei sehr gering gewesen. (APA/AP)