Wien - Seit 1. Jänner ist es in den Wiener städtischen Spitälern möglich, einen Schwangerschaftsabbruch als ambulante Leistung durchführen zu lassen. Die Abtreibung wird damit deutlich billiger: Statt bisher bis zu 936 Euro kostet sie nun 274,91 Euro. Damit würden Zugangsbarrieren, aber auch die Stigmatisierung der betroffenen Frauen entfallen, heißt es im Rathaus. Bisher wandten sie sich vor allem an private Abtreibungskliniken, vor denen sie "von radikalen Abtreibungsgegnern regelrecht verfolgt" worden seien.

Je nach Spital mussten bisher zwischen 674 und 936 Euro bezahlt werden, weil die Patientinnen nur in der Sonderklasse aufgenommen wurden, wenn nicht eine medizinische oder soziale Indikation für die Abtreibung vorlag. In der Klinik am Fleischmarkt werden dagegen nach Rathaus-Angaben 450 Euro verlangt, in der Klinik "Lucina" 428 Euro.

Auf Grund eines einstimmigen Beschlusses der Wiener Landesregierung vom 10. Dezember des Vorjahres wird der ambulante Schwangerschaftsabbruch nun in allen städtischen Spitälern mit gynäkologischer Abteilung angeboten: In der Semmelweis-Klinik, im SMZ-Ost (Donauspital), der Rudolfstiftung, im Kaiser-Franz-Josef-Spital, in Lainz, im Wilhelminenspital und im AKH. Es sei aber nicht jeder Arzt dazu verpflichtet, den Abbruch selbst durchzuführen.

Wenig Abbrüche in städtischen Spitälern

In der Vergangenheit wurden in den städtischen Spitälern nur sehr wenige Abtreibungen durchgeführt. Nach Angaben des Büros von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (S) waren es im Vorjahr insgesamt 343. Eine exakte Gesamtzahl der in Wien durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche liegt nicht vor.

Auf Grund von Angaben der beiden privaten Ambulatorien, der öffentlichen Spitäler und internationaler Vergleichsdaten konnte laut der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Beate Wimmer-Puchinger aber errechnet werden, dass bis zu 4.640 Wienerinnen pro Jahr eine Abtreibung vornehmen lassen. Auch für ganz Österreich gibt es keine offiziellen Daten. Schätzungen gehen hier von 19.000 bis 25.000 Abtreibungen aus.

Von Seiten Pittermanns, aber auch der Wiener Frauenstadträtin Renate Brauner (S) wurde betont, dass Frauen vor allem Information und Unterstützung benötigten, um unerwünschte Schwangerschaften zu vermeiden. Die Stadt fördere daher Vereine wie "First Love" oder publiziere mehrsprachige Verhütungsbroschüren. Sollte es aber zu einer unerwünschten Schwangerschaft kommen, sollten Frauen möglichst sicher, einfach und günstig einen Abbruch vornehmen lassen können. (APA)