London - Nach Angaben der irakischen Opposition hat das Regime von Saddam Hussein seine Eliteeinheiten bereits auf den Einsatz von Chemiewaffen vorbereitet. Die britische BBC berichtete am Freitag über entsprechende Unterlagen, die dem Sender zugespielt wurden. Danach sind die Sondereinheiten mit Schutzanzügen für die chemische Kriegsführung und mit Medikamenten gegen die Folgen eines Nervengas-Einsatzes ausgerüstet worden.

Die Oppositionsgruppe Irakische Nationale Koalition will die handschriftlichen Unterlagen von ranghohen Vertretern des irakischen Militärs erhalten haben, berichtete die BBC. Sie seien im vergangenen Monat aus dem Irak geschmuggelt worden. Die BBC hat die Dokumente nach eigenen Angaben von drei unabhängigen Experten prüfen lassen. Der Irak-Spezialist Toby Dodge von der britischen Warwick-Universität bezeichnete sie am Freitag als "scheinbar echt".

Nach Ansicht des ehemals im Nordirak stationierten CIA-Mitarbeiters Bob Bear deuten die Dokumente eher darauf hin, dass Saddam aus "seiner engsten Umgebung ein Aufstand" drohen könnte. Bear bezog sich auf die Information, dass auch die von der Familie Saddams kontrollierte Sondereinheit "Special Republican Guards" entsprechend ausgerüstet wurde. "Das bedeutet, sie wollen, dass Saddam geht. Vielleicht ist er schon näher an seinem Ende als wir glauben", sagte Bear der BBC. "Nicht überraschend"

Die britische Regierung hält Berichte über einen möglicherweise geplanten Chemiewaffen-Einsatz durch den Irak für "nicht überraschend". Dies passe in das "klare Muster" der Nichterfüllung der UNO-Resolution 1441, sagte der Sprecher von Premierminister Tony Blair am Freitag in London.

Zur Verlässlichkeit der Angaben, die laut BBC aus Kreisen der irakischen Opposition stammen, wollte sich der Sprecher nicht äußern. "Das ist Sache der BBC", sagte er. Inhaltlich stimmten die Angaben aber mit den Informationen überein, die schon im Dossier über die Massenvernichtungswaffen des Iraks, das die Regierung im vergangenen September veröffentlichte, enthalten waren. Daraus gehe hervor, dass Saddam Hussein nicht nur Massenvernichtungswaffen besitze, sondern sie auch weiterhin verstecke.

Der britische Labour-Abgeordnete und Kriegsgegner Tam Dalyell äußerte dagegen die Vermutung, die der BBC von der irakischen Exil-Opposition zugespielten Dokumente könnten auf Grund ihres Ursprungs "Teil einer Propaganda-Strategie" sein. Es sei auch möglich, dass die Iraker sich gegen einen Angriff mit Chemiewaffen schützen wollten. (APA/dpa)